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Wie mächtig ist die Mafia in Deutschland?

Näheres zu den Ursprüngen, welche Mafiaorganisationen es noch gibt und wie sie in Deutschland auf dem Vormarsch sind, verraten wir Euch hier.

Schutzgelderpressung, Drogenhandel, Mord, u.v.m. – Verbrechen, die wir automatisch mit der Mafia in Verbindung bringen. Spätestens seit den sechs Mafia-Morden von Duisburg im Jahr 2007 ist klar, dass die Mafia in Deutschland ebenfalls aktiv ist. Auch wenn es die Mafia eigentlich gar nicht geben soll. Zumindest laut dem Gesetz der „omertà“, das den Mafia-Mitgliedern Schweigen auferlegt. D.h. zur Geschichte der italienischen Verbrecherorganisation gehört das Totschweigen ihrer Existenz. Wir haben uns dennoch auf Spurensuche begeben und wissen nun, dass sich im 19. Jahrhundert in Sizilien einer der mächtigsten Verbrecher-Clans der Welt formierte: Die Cosa Nostra.

Die Ursprünge der Mafia

Mafia war ursprünglich die Bezeichnung für einen streng hierarchischen Geheimbund, der seine Macht durch organisierte Verbrechen und politische Einflussnahme weltweit zu festigen und auszubauen versuchte. Der Ursprung der italienischen Mafia, die inzwischen auch in Deutschland Fuß gefasst hat, findet sich im Sizilien des 19. Jahrhunderts. Die sizilianische Mafia, auch als Cosa Nostra bekannt, gilt als bekanntester Zweig der italienischen Mafia. Ihre Mitglieder bezeichnen sich als „uomini d’onore“ (Männer der Ehre). Viele der Familienclans arbeiten eigenständig, wobei eine landesweite Koordination durch eine Kommission besteht, die sich aus den Oberhäuptern der einflussreichsten Familien zusammensetzt. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts galt die Cosa Nostra als einflussreichste Verbrecherorganisation Europas. Noch heute operiert sie weltweit und hat Verbindungen zu anderen mafiaähnlichen Gruppen, wie z.B. der neapolitanischen Camorra oder der kalabrischen 'Ndrangheta. Selbst in Nordamerika hat die Cosa Nostra einen Ableger: die Amerikanische Cosa Nostra.

Dennoch bleibt die Frage: Wie setzt sich eine solche Verbrecherorganisation zusammen? Man vermutet, dass die sizilianische Cosa Nostra aus den Strukturen der sogenannten Gabelloti, weitgehend korrupter Statthalter, hervorging. Die Gabelloti pachteten Land von Großgrundbesitzern und verpachteten dieses an die Bauern vor Ort weiter. Ihre Aufgabe war es schließlich die Güter der adeligen Großgrundbesitzer vor aufständischen Bauern und Briganten zu schützen. Mit der Zeit verloren die Großgrundbesitzer, vor allem im nördlichen Teil Italiens, an Einfluss und somit ihre Güter auch an die selbst eingesetzten Verwalter: die Gabelloti.

Daraufhin hatten diese nur noch für die Sicherheit auf den Plantagen zu sorgen und zwangen die Bauern „pizzu“ abzugeben. D.h. einen Teil ihrer Ernte ging an die Gabelloti und dies stellte die erste Form der Schutzgeldzahlung dar.

Im Laufe der Zeit wurden die Gabelloti immer mächtiger, eigneten sich Polizeiaufgaben an und stellten ihre eigenen Schutztruppen. Ihre Macht sicherten sie durch Androhung von Gewalt. Nach und nach entstand ein kriminelles Netzwerk, das von Sizilien aus auf die anderen Regionen Süditaliens übergeschwappt sein soll. Am stärksten ist die Präsenz der Cosa Nostra in Westsizilien, vor allem in Palermo. Jene Stadt, die auch bei Kreuzfahrten gerne von uns besucht wird.

Die Basisorganisation der Cosa Nostra ist die so genannte Familie, die ein Territorium kontrolliert. Dies kann eine Ortschaft, ein Gebiet von Ortschaften oder ein Stadtviertel sein. Die Größe der einzelnen Familien variiert allerdings stark. Die Familie ‚Santa Maria di Gesù‘ aus Palermo hatte beispielsweise Anfang der 1980er Jahre ca. 200 Mitglieder, während es auch Familien mit weniger als 10 Mitgliedern gibt. Nach wie vor weist Palermo allerdings die größte Familiendichte auf und in nahezu allen Stadtteilen existiert eine Familie.

Bestimmt fragt Ihr Euch nun, wie man Mitglied der Mafia wird? Die gleiche Frage haben wir uns auch gestellt und folgendes herausgefunden:

Der Cosa Nostra tritt man entweder durch Hinzuwahl oder durch Aufruf bei. In der Regel schließt sich ein Kandidat immer der Familie seines Geburtsortes an. Vor dem Beitritt wird allerdings die Familie des potenziell neuen Mitglieds, sowie dessen Vorfahren, genau überprüft. Für den Fall, dass Verwandte Polizisten, Staatsanwälte oder Zuhälter sind bzw. waren, bleibt dem Kandidaten die Aufnahme verwehrt.

Wie man bei solch krimineller Gesinnung vermuten kann, bleibt es nicht nur bei der Überprüfung der Herkunft. Vielmehr muss sich der Neuling auch qualifizieren und eine Prüfung bestehen. Man sagt, dass diese Bewährungsprobe meist ein schwerer krimineller Akt sei: zum Beispiel ein bewaffneter Raubüberfall oder sogar Mord.

Der bekannte Kronzeuge Antonino Calderone, dessen Onkel und älterer Bruder die Familie von Catania leiteten, hatte einen gesuchten Ehrenmann zwischen zwei Verstecken zu chauffieren. Ist den Mitgliedern der Mafia ihr Leben lieb, halten sie sich in der Regel an die „omertà“. Dennoch gibt es einzelne Personen, unter anderem Antonino Calderone, die einst Mitglied der Cosa Nostra waren und dann als Kronzeugen mit dem italienischen Staat zusammenarbeiten. Das dies kein ungefährliches Unterfangen ist, versteht sich von selbst.

Doch zurück zu der Aufnahme, die immer im Beisein andere Mitglieder geschieht: Neben der Prüfung gibt es noch einen speziellen Initiationsritus. Demzufolge wird dem Novizen in den Daumen oder einen Finger gestochen, das Blut lässt er dann auf ein Heiligenbild tropfen und leistet einen Eid auf die Familie, die Normen und die Gesetze der Cosa Nostra. Im Anschluss wird das Heiligenbild verbrannt.

Wie die oben bereits erwähnte Mitgliedsbezeichnung „uomini d’onore“ verrät, ist die Mitgliedschaft ausschließlich Männern vorbehalten. Dennoch spielen die Frauen eine wichtige Rolle, da sie das Wertesystem der Cosa Nostra an die Kinder weitergeben sollen. Jedoch dürfen sich zwei Mitglieder nicht selbst als Mafiosi zu erkennen geben. Hierzu bedarf es erst eines dritten Mitglieds, das die beiden als Cosa Nostra einander vorstellt. Diese Form der Verschwiegenheit ist Bestandteil der omertà, die somit auch eine Schweigepflicht nach innen verlangt und nicht nur gegen außenstehende Personen.

Wer sind die Mitglieder?

Die Angehörigen der sizilianischen Cosa Nostra kommen aus nahezu allen Gesellschaftsschichten. D.h. ihr gehören beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte, Bankiers und erfolgreiche Unternehmer an. Durch diese breite Schichtung ist die Cosa Nostra in Italien viel stärker in der Gesellschaft verankert als zum Beispiel ihr amerikanischer Ableger.

Nach wie vor ist die Cosa Nostra eine international operierende Verbrecherorganisation, die als Mafia in Deutschland genauso tätig ist. Es wird vermutet, dass sie immer noch von einer Kuppel befehligt wird, die sich aus den Oberhäuptern der wichtigsten Familien zusammensetzt. Infolge des zweiten Mafiakrieges ist sie allerdings inzwischen stark zentralisiert. Zumindest in den 1980er und 1990er Jahren stand die gesamte Organisation unter der Kontrolle eines einzigen Bosses.

Die Omnipräsenz der Mafia

Folglich könnte man meinen, dass doch nur der Kopf der Organisation geschnappt werden müsste. Doch bei einem derartig großen und international verzweigten Netzwerk zeichnet sich bereits ab, dass die ein oder andere Verhaftung eines Mafia-Bosses nichts an der omnipräsenten Machtstellung ändert. Die italienische Mafia bleibt ungebrochen und verzeichnet sogar 90 Milliarden Euro Jahresumsatz laut Schätzungen.

Ihre Haupteinnahmen bezieht sie aus Schutzgelderpressung, Drogen- und Waffenhandel, gefälschter Markenware, Baugeschäften, illegalem Abladen von Giftmüll und dem Abzweigen von staatlichen Entwicklungsgeldern.

Zu bedenken ist auch, dass wir Euch hier von der italienischen Mafia berichten. Zusätzlich zu den anderen italienischen Verbrecherorganisationen, gibt es aber z.B. noch die „russische Mafia“, die „albanische Mafia“, die „japanische Mafia“ (Yakuza) oder die „chinesische Mafia“ (Triaden).

Die Mafia in Deutschland

Immer häufiger wird in den Medien davon berichtet, dass die Mafia in Deutschland auch auf dem Vormarsch ist. Nun ist anzunehmen, dass sie dies schon viel länger ist und wir erst durch die Medien davon erfahren.

Nichtsdestotrotz bleibt Fakt, dass eine klassisch organisierte Kriminalität wie Rauschgifthandel, Wirtschafts- und Gewaltkriminalität nur noch in geringen Teilen auf die Verbrecherorganisationen zurückzuführen sind. Vielmehr steht eine neue Gefahr im Fokus: die Mafia der Landwirtschaft.

Was hierzulande neu ist, ist den Italienern bereits bestens bekannt. Denn seit Jahren deckt dort die Anti-Mafia-Behörde DIA groß angelegte Etikettenschwindel auf. Die Masche der Mafia-Händler besteht darin, bspw. billiges Rindfleisch aus Urugay als Bresaola zu Delikatess-Preisen zu verkaufen, Wein zu panschen oder gestrecktes Olivenöl als hochwertiges Bio-Öl zu vermarkten.

Laut der Gewerkschaft Coldiretti beliefen sich die Schäden für die italienische Wirtschaft dadurch im Jahr 2015 auf rund 16 Milliarden Euro.

Auch in Deutschland soll diese Betrugsmasche immer präsenter werden. Betroffen ist davon vor allem die italienische Gastronomiebranche. Laut Bayerischem Landeskriminalamt geht es hierbei nicht nur um Etikettenschwindel, sondern auch um verdeckte Schutzgelderpressungen. Die Mafia in Deutschland zwingt die Händler dazu extrem überteuerte Produkte von einem korrupten Lieferanten zu beziehen. Ein Geschäft das sich lohnt, zumal der Absatzmarkt in Deutschland für italienische Produkte riesig ist. Bestes Beispiel hierfür ist allein die Dichte der zahlreichen italienischen Restaurants und Pizzerien, die zwischen Freiburg und Flensburg liegen.

Für uns Endverbraucher entsteht bei diesen Nachrichten natürlich ein mulmiges Gefühl. Denn ob nun der auf der Speisekarte als Gourmet-Mozzarella ausgewiesene „Mozzarella di Buffala“ tatsächlich vom italienischen Büffel kommt, ist für uns, aber auch für die ermittelnden Beamten, schwer zu erkennen. Umso heikler wird das Thema, da sich die Erpressten in der Regel nicht trauen Hilfe bei der Polizei zu suchen.

Wie mächtig ist die Mafia in Deutschland wirklich?

Noch dazu bleibt die Frage wie mächtig die Mafia in Deutschland tatsächlich ist. Natürlich würden wir gerne wissen ob wir von den Medien nur die Extremfälle erfahren oder ob hinter den Organisationen in der Tat so viel Machtpotential steckt.

Fest steht, dass die sechs Morde aus Duisburg vor dem italienischen Restaurant „Da Bruno“ von Mitgliedern der kalabrischen Mafia-Organisation ’Ndrangheta ausgeführt wurden. Scheinbar trafen sie vor dem Restaurant auf Rivalen und eröffneten daraufhin das Feuer. Auf Rückfragen zur Anzahl der in Deutschland vertretenen Mafiaorganisationen veröffentlichte das Bundeministerium 2007, dass es 136 Mafiosi in Deutschland gebe. Aus einer Berichterstattung des FOCUS von 2017 geht hervor, dass sich diese Zahl inzwischen mehr als verdreifacht hat: aktuell seien es 560.

Hingegen spricht die ZEIT Anfang des Jahres von einem Rückgang der Mafia und davon, dass sie nur noch ein Schatten ihrer selbst sei. Zum Niedergang der Cosa Nostra hätten im Wesentlichen zwei Maßnahmen beigetragen, die 1992 von Paolo Borsellino und Giovanni Falcone eingeführt wurden:

 

  1. Die Kronzeugenregelung: sie ermöglicht zum ersten Mal einen Einblick in das Innenleben der Clans. Bekannte Zeugen sind z.B. Antonio Calderone.
  2. Die Finanzermittlungen

 

Zudem war Falcone davon überzeugt, dass die Mafia ein menschliches Phänomen sei und wie alle menschlichen Phänomene habe es einen Anfang und werde auch ein Ende haben.

Eine Ansicht die wir gerne unterschreiben würden und hoffen, dass die Mafia in Deutschland ihr Machtpotential nicht weiter ausbaut. Allerdings ist in der ZEIT nur die Rede von dem Bedeutungsverlust der Cosa Nostra. Was mit den anderen italienischen Verbrecherorganisationen, sowie den russischen, albanischen, chinesischen und japanischen Mafiosi ist, bleibt offen.

Die Mafia in Frankreich

So spannend wie das Thema in der Realität ist, so fesselnd wird es auch in einer literarischen Abhandlung. Vor allem dann, wenn sich die Bestseller-Autorin Nina George („Das Lavendelzimmer“) und der Ethnologe, Ex-Pilot und Schriftsteller Jens „Jo“ Kramer unter ihrem gemeinsamen Pseudonym Jean Bagnol an diesen Sachverhalt wagen.

Bereits die vorangehenden Bände ihrer Provence-Krimi-Reihe (Band 1: Commissaire Mazan und die Erben des Marquis; Band 2: Commissaire Mazan und der blinde Engel) um die Marseiller Polizistin Zadira und den schwarzen Katzen-Ermittler Commissaire Mazan erhielten großen Zuspruch. Sowohl von der Presse als auch von Leserinnen und Lesern.

Und auch in ihrem dritten Band „Commissaire Mazan und die Spur des Korsen“ gelingt es ihnen erneut provenzalisches savoir-vivre mit modernen Katzen-Krimi und rasantem, düsteren Realo-Thriller zu einem atmosphärisch dichten Frankreich-Roman zu verweben.

Dabei bilden die Frankreich-Kenner keine schöngefärbte Idylle ab, sondern beschreiben authentisch die provenzalische Mentalität. Aktuelle und politische Themen wie Korruption, Rassismus und die Schattenseiten der Globalisierung spielen in ihren Krimis eine große Rolle. Psychologisch genau durchleuchten sie die Zerstörungskraft menschlicher Leidenschaften und lassen immer wieder ihre Katzen-Charaktere einen entlarvend-komischen Blick auf die Schrullen und Abgründe der Zweibeiner werfen.

In „Commissaire Mazan und die Spur des Korsen“ überlebt die Ermittlerin Zadira Matéo schwer verletzt einen Mord-Anschlag. In einer abgelegenen Trüffel-Farm versteckt sie sich vor korrupten Polizisten und der Marseiller Mafia. Begleitet wird sie von ihrem Kater Commissaire Mazan.

Während sich Zadira versteckt versucht ihr Geliebter, Tierarzt Jules, in Marseille den Korsen zu finden. Als gefürchteter Auftragsmörder scheint er Zadira ins Visier genommen zu haben. Doch wer hat den Korsen beauftragt? Steckt die Mafia, die Polizei oder sogar ein Vertrauter Feind aus Zadiras Vergangenheit dahinter?

Alle Antworten erfahrt Ihr in „Commissaire Mazan und die Spur des Korsen“ von Jean Bagnol.

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