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Was man über religiösen Fanatismus wissen muss

Klare Ansagen, unverrückbare Wahrheiten und ein kompromissloses Festhalten an ideologischen oder religiösen Grundsätzen zeichnen den fundamentalistischen Charme religiöser Dogmen aus.

Besonders seit den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 wurde der Begriff des Fundamentalismus zu einem politischen Schlagwort, das insbesondere im Rahmen islamischer Bestrebungen verwendet wird.

Doch was genau ist unter Fundamentalismus zu verstehen und wann spricht man von religiösem Fanatismus? Alles Wissenswerte rund um das Thema Fundamentalismus und religiöser Fanatismus erfahrt Ihr hier:

1.Was heißt Fundamentalismus?

Das Wort Fundamentalismus setzt sich aus dem englischen Substantiv „fundamentalism“ und dem Suffix -ismus zusammen. Seinen Ursprung findet das Wort allerdings im lateinischen „fundamentum“, was so viel wie Unterbau, Basis oder Fundament bedeutet.

D.h. unter Fundamentalismus ist die starre Überzeugung und Geisteshaltung von überlieferten Grundsätzen zu verstehen. Ein fundamentalistisch denkender Mensch lehnt in der Regel Neuerungen und Veränderungen der neuen Zeit ab. Eine derartig radikal geprägte Denkhaltung, orientiert an ideologischen oder religiösen Normen, kann unter anderem auch das politische Handeln beeinflussen.

Während diese Fundamentalismus Definition seit den Terroranschlägen von Amerika und der zunehmenden Terrorgewalt weltweit zum Synonym für Islamismus wurde, fußt diese Geisteshaltung ursprünglich in einer Bewegung des amerikanischen Protestantismus. Diese geht davon aus, dass die Bibel das unmittelbare Wort Gottes ist und somit irrtums- und fehlerfrei.

2.Der Ursprung des Fundamentalismus

Zunächst trat das Wort Fundamentalismus allerdings im Zusammenhang mit der von Reuben Archer Torrey herausgegebenen Schriftenreihe „The Fundamental A Testimony to the Truth“ auf, die sich gegen die liberale Theologie und historisch-kritische Methoden wandte. Konservative Theologen wie bspw. Benjamin Breckinridge Warfield unterstützen die Thesen der Schriftenreihe und er, sowie weiter Konservative fassten ihre Haltung in fünf wesentlichen Punkten zusammen. In der Generalkonferenz der presbyterianischen Kirche im Jahr 1910 stellte man schließlich folgende fünf Dogmen auf:

  1. Die Irrtumslosigkeit und Autorität der Bibel
  2. Die Gottheit Jesu Christi
  3. Die Jungfrauengeburt und Wunder
  4. Jesus Tod für die Sünden der Menschen
  5. Seine leibliche Auferstehung und Wiederkunft

Hört man diese fünf Dogmen und die Fundamentalismus Definition der Presbyterianer so lässt sich noch keine klare Trennung zum christlichen Fundamentalismus finden. Doch es gibt ihn! In der Regel wird er durch eine biblizistische Auslegung der Bibel definiert, die so stark ist, dass andersdenkenden Christen sogar der Glaube abgesprochen wird.

Eine ähnlich starre Geisteshaltung lässt sich schließlich auch im islamischen Fundamentalismus wiederfinden, nur dass dieser die genaue Befolgung der Vorschriften des Koran und der islamischen Gesetze fordert. Islamischer Fundamentalismus lehnt zudem eine freiheitliche Gesellschaft, in der die Menschen selbst über ihr Leben entscheiden können, ab. Bekannt ist diese religiöse Denkhaltung auch unter dem Begriff Islamismus.

Wie bereits erkenntlich wurde, gibt es Fundamentalisten demnach überall auf der Welt. Kennzeichnend für ihr Verhalten ist die Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Zum Feindbild und zugleich fundamentalistischen Sinnbild für viele ist seit den Terroranschlägen in den USA und in Europa die arabisch-islamische Welt geworden. Doch gerade im Rahmen der Fundamentalismus-Debatte ist nicht zu vergessen, dass vielerorts in der Welt, von Nordirland über den Balkan bis hin zum Nahen Osten, politische Fronten entlang von Konfessions- oder Religionsgrenzen verlaufen.

Schnell wird der Andersgläubige zum Feind gemacht, doch im Konflikt ebenso relevant sind oftmals ethnische oder soziale Spannungen, die durch den Religionsgegensatz überhöht, aufgeladen oder maskiert werden.

3.Wann spricht man von Fanatismus?

Gefährlich wird der Fundamentalismus vor allem dann, wenn Machtcliquen oder Interessensgruppen fanatisch werden und ihre Meinung mit Gewalt durchsetzen und anderen Menschen aufzwingen wollen. Diese Gruppen dulden dann weder Kritik am eigenen Handeln, noch wird die Meinung Andersdenkender akzeptiert.

Viele politische Bewegungen und Parteien haben gerade auf jener fanatischen Ebene ihre Ziele verfolgt und keine Rücksicht auf Verluste genommen. Während es im Mittelalter zum Beispiel bereits einen durch die Religion geprägten Fanatismus gab, der dazu führte, dass Menschen im Namen Gottes verfolgt und verbrannt wurden, nehmen auch extremistische, ideologische oder rassistische Bewegungen eine fanatische Tragweite an.

4.Bildung fanatischer Gruppierungen

In welchem Umfang extreme Geisteshaltungen zur Radikalisierung führen können, zeigt die Geschichte anhand des deutschen Nationalsozialismus, italienischen Faschismus, russischen Bolschewismus und der mittelalterlichen Kreuzzüge der Christen. Aber auch Gruppierungen wie zum Beispiel die jüdische Zelotenbewegung oder die RAF sind geprägt von fanatischem Ausmaß.

Das derzeit deutlichste Beispiel religiöser Radikalisierung nehmen allerdings islamische Gruppierungen wie Boko Haram und der IS an.

5.Die Grenzen von Islamismus, Fundamentalismus und Radikalisierung

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird islamischer Fundamentalismus, Islamismus und Radikalisierung häufig synonym verwendet. Dabei ist zu beachten, dass Mitte des 20. Jahrhunderts islamische Autoren eine Ideologie entwickelt haben, für die im Deutschen die Begriffe Islamismus und islamischer Fundamentalismus verwendet werden. Geht man von der westlichen Fundamentalismus Definition aus, so ist darunter eine theologische Position zu verstehen, die die Heilige Schrift wörtlich auslegt. Vielmehr stellt der Islamismus aber eine Herrschaftstheorie dar, wenngleich die Wortführer in theologischen Fragen durchaus fundamentalistisch sind.

Charakteristisch für den Islamismus ist zudem eine Mischung aus Elementen, die seit Jahrhunderten im islamischen Denken verankert sind, und Importen aus westlichen Weltanschauungen. Dass das islamische Recht auch mit Hilfe der staatlichen Institutionen durchzusetzen sei, ist eine althergebrachte Auffassung. Gleiches gilt für das Bestreben, durch jihād den Herrschaftsbereich des Islam auszuweiten. Die antisemitischen Verschwörungstheorien gehen dagegen auf europäische Vorbilder zurück.

Aufgrund dieser Mischung ist der Islamismus gegenüber einigen radikalen politischen Strömungen abzugrenzen, auch wenn mancherlei Übergänge fließend sein können.

Zu den radikalen islamischen Gruppierungen zählt unter anderem die traditionalistische Bewegung der Taliban und ihre Verbündeten in Pakistan, sowie die wahhabitische Opposition in Saudi-Arabien. Apolitisch ausgerichtete konservative Reformbewegungen zeichnen die indo-pakistanische Missionsbewegung Tablīghī Jamā´at aus, sowie die Nurcus in der Türkei.

Ebenfalls vom oben beschriebenen Islamismus sind die konservativen Gelehrten in den staatlichen religiösen Lehranstalten abzugrenzen, die das politische Herrschaftssystem nicht infrage stellen. Auch wenn sie in Fragen mit den Islamisten übereinstimmen.

Interessensgruppen, die versuchen durch die Präsentation in entsprechender Terminologie sozialistische Politik als "linken" Islam zu verkaufen, sind ebenso als radikale Gruppierungen einzustufen.

Letztlich bleibt die bittere Erkenntnis, dass es in nahezu jeder Geschichtsepoche Menschen gegeben hat und geben wird, die von ihren Überzeugungen derart besessen sind, dass sie diese mit missionarischen Eifer entfalten wollen - häufig unter dem Deckmantel gesellschaftlicher, politischer oder religiöser Begründungen.

Auch in Daniel Holbes und Ben Tomassons neuem Krimi „Verschwörung in der Camargue“ stößt der Archäologe Philippe Clairvaux auf die Ursprünge eines religiösen Fanatismus: einer tausende Jahre alten Legende zufolge soll von Les-Saintes-Maries-de-la-Mer in der Camargue aus, der christliche Glaube in Europa verbreitet worden sein.

Um diese Legende wissenschaftlich belegen zu können, beginnt der Archäologe mit Ausgrabungen in der Krypta der dortigen Kirche. Doch dann wird Philippe Clairvaux plötzlich ermordet und Capitaine Jacques Maillard, Mordermittler bei der Polizei in Arles, übernimmt den Fall. Unterstützt wird der Mordermittler von der britischen Archäologin Meredith Bedford, die die Ausgrabungen in der Kirche mit dem ermordeten Philippe durchführen wollte.

Doch die Beiden ahnen nicht, dass sie längst ins Visier einer geheimen Bruderschaft geraten sind, die Südfrankreich zum neuen Zentrum der katholischen Kirche machen will …

In welch gefährliche Lage sich der Mordermittler und die britische Archäologin begeben und ob sie den Mord an Philippe aufklären können, erfahrt Ihr in Daniel Holbes und Ben Tomassons „Verschwörung in der Camargue“.

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