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Regiokrimi

Tom Hillenbrand im Interview mit Topkrimi

Der Krimi, egal ob als Buch, Film oder Serie, ist noch immer der Deutschen liebstes Genre. Gerade in den letzten Jahren nahm die Popularität der Kriminalromane immer mehr zu. Das liegt nicht zuletzt an jenen Autoren, die ihren Kriminalromanen einen regionalen Hintergrund geben. Egal ob das Alpenland, Belgien oder das weite Feld der skandinavischen Krimis: Nahezu jedes Land in West- und Mitteleuropa kann sich über einen eigenen Detektiv freuen. Einzig das Herzogtum Luxemburg schien bis vor wenigen Jahren keiner so richtig auf der Rechnung zu haben. Das änderte sich jedoch schlagartig dank Tom Hillenbrand und seinem Koch-Detektiv Xavier Kieffer. Auch in dessem neuesten Fall - Gefährliche Empfehlungen - muss der Detektiv wider Willen seinen kriminalistischen Spürsinn einsetzen. Wir haben Tom Hillenbrand deswegen zum Interview gebeten, um mehr über Xavier Kieffer, das Kochen und die Lebensmittelindustrie zu erfahren.

1. Unwissenheit als Segen

Die Skandale und Ungereimtheiten, die Kieffer in seinen bisherigen Fällen aufgedeckt hat, scheinen gelegentlich zu unglaublich, um noch wahr zu sein. Zumindest wünscht man sich als Konsument, dass die Sache mit dem Thunfisch im Sushi hoffentlich anders ist. Tatsache ist jedoch, dass Tom Hillenbrand sich keinen der Skandale in seiner Kieffer-Reihe ausgedacht hat.

 

 

Topkrimi: Herr Hillenbrand, Sie leisten für jedes Buch Ihrer Kieffer-Reihe eine Menge Recherche und lernen dabei nicht nur die schönen Seiten der Lebensmittelindustrie kennen. Können Sie überhaupt noch klassisch einkaufen oder auswärts essen gehen?

 

 

Hillenbrand: "Naja, einfacher wird es durch die Bücher nicht. Man könnte sogar sagen, dass einem jede dieser mitunter etwas unappetitlichen Recherchen einen weiteren Genuss ruiniert. Nach meinen Recherchen zu Sushi und Thunfisch für „Rotes Gold“ konnte ich monatelang kein Sushi mehr essen. Nach „Tödliche Oliven“ wurde der Kauf von Olivenöl schwierig. Aber so ist das eben, wenn man weiß, was drin ist. Zum Glück bleiben viele leckere Dinge übrig, bei denen ich völlig ahnungslos bin."

 

 

 

2. Ein Skandal bleibt ein Skandal

Recherchiert man über Skandale, egal welcher Art, scheint es fast logische, andere Menschen darauf aufmerksam zu machen, was eigentlich gespielt wird. Gerade ein Autor, der einen großen Leserkreis erreicht, scheint von Außen betrachtet eine Art moralische Pflicht zu haben, die Massen aufzuklären. Der Grat zwischen Geschichtenerzähler und Moralapostel scheint da manchmal ein dünner zu sein.

TK: Nutzen Sie, Ihre journalistische Erfahrung im Hintergrund, Ihre Krimis auch, um die Leser bewusst auf den einen oder anderen Lebensmittelskandal aufmerksam zu machen (etwa in Tödliche Oliven) und nicht nur dazu, damit Kieffer ermitteln kann?

H: "Krimis sind auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, solche ernsten Themen zu transportieren, ohne dass es die Leute langweilt. Aber ich will niemanden erziehen oder ihm vorschreiben, was er essen soll. Im Vordergrund steht die Geschichte. In der Lebensmittelindustrie gibt es – leider! – derart viel kriminelle Energie, dass sie als Sujet einfach gut für Kieffers Fälle taugt."

3. Wieviel Hillenbrand in Kieffer steckt

Die Frage, wie sehr ein Buch-Charakter den Menschen ähnelt, die ein Autor täglich um sich hat, beschäftigt viele Leser. Noch viel spannender ist die Frage, wieviel vom Autor selbst in seiner Hauptfigur zu finden ist. 

TK: Kieffer als der Anti-Sternekoch und Anti-Neuzeitler, ist ja fast schon ein Rebell - Ein Begriff, den man auch auf Sie, Ihren “Ausbruch” aus dem Journalismus und Ihr Hinweisen auf so manche Ungereimtheit in der Lebensmittelindustrie anwenden könnte. Können Sie sich mit dieser Charakterhaltung identifizieren?

H: "Ich kann die Haltung zwar sehr gut verstehen und habe es persönlich auch gar nicht so sehr mit der Sterneküche. Aber die Ähnlichkeiten zwischen Xavier Kieffer und mir sind letztlich doch sehr begrenzt. Anders als er bin ich sehr fortschrittsfreundlich und begeisterte mich für neue Technologien ebenso wie für kulinarische Neuerungen. Und ich bin Nichtraucher und fast Anti-Alkoholiker. Er wüsste mit mir wahrscheinlich wenig anzufangen."

4. Tom Hillenbrand als Koch

Liest man die einzelnen Bände der Kieffer-Reihe, erfährt man eine Menge über Xavier Kieffer und seine Art zu kochen. Auch Tom Hillenbrand stellt sich privat gerne hinter den Herd und erfreut Familie und Freunde mit Selbstgekochtem.

TK: Sind Sie denn privat als Koch ein Rebell, der gerne alte Rezepte verändert oder neues ausprobiert?

H: "Als Koch mag ich eigentlich eher klassische Sachen – französische und italienische Küche, zum Beispiel. Das mag daran liegen, dass ich Rezepte wie Coq au Vin oder Saltimbocca alla Romana auch halbwegs hinkriege. Um völlig neue, experimentelle Sachen zu kreieren, koche ich einfach zu schlecht und zu wenig."

5. Zwischen Haut Cuisine und regionaler Küche

Ein rebellischer Koch, der den Sternerestaurants und der Sterneküche den Rücken kehrt, um fortan in Luxemburg deftige regionale Speisen anzubieten: Zwischen französischen Gaumenfreunden und Hausmannskost fällt es manchen schwer zu wählen, was sie lieber essen würden.

TK: Was kochen beziehungsweise essen Sie persönlich lieber: Die Haute Cuisine, wie man sie aus Frankreich kennt oder die deftige, regionale Küche, wie sie Ihr Hauptcharakter bevorzugt?

H: "Auf jeden Fall die deftige Version – französische Landküche oder cucina povera. Ich mag das Rustikale nicht nur wegen der Gerichte, sondern auch wegen des Drumherums. Mal ehrlich, was macht mehr Spaß: Steif in einem Sternerestaurant zu sitzen oder mit Freunden um einen großen Tisch, ohne Menüfolge, ohne Brimborium aber dafür mit viel Geselligkeit?"

6. Die eigenen Kinder als Kritiker?

Vor dem Dasein als Vater oder Mutter, war die Sachen mit dem Kochen meistens kein größeres Problem. Schließlich hat man seine Lieblingsrezepte und weiß, was einem schmeckt oder eben nicht. Sobald man jedoch für Kinder kocht, sieht die Sache in vielen Fällen ganz anders aus.

TK: Kinder können beim Thema Essen ja ganz eigene Vorstellungen davon haben, was lecker ist und was nicht. Sind Ihre Kinder Ihre größten Kritiker, wenn Sie selber kochen?

H: "Eines meiner Kinder hat mal gesagt: „Du bist der beste Kocher.“ Mehr geht eigentlich nicht. Auf jeden Fall halte ich dieses kindgerechte Essen für einen großen Schmarren, es gibt es in vielen anderen Ländern überhaupt nicht. Gerade Kinder sind ja völlig unvoreingenommen. Warum sollten die keine Austern oder Schnecken probieren? Auch Kräuter und Knoblauch in der Sauce kommen meiner Erfahrung nach bei Kindern gut an, wenn man das richtig verkauft."

7. Die Quelle der Inspiration

Egal ob echte Skandale oder fiktive Problmatiken: Manchmal fragt sich der ein oder andere Lese ja doch, wie sich das Gros von Autoren immer wieder etwas neues einfallen lassen kann. Tom Hillenbrand hat für seine kulinarischen Krimis eine ganz eigene Quelle der Inspiration.

TK: Der Guide Michelin mit seinen detailliert Ortskarten und -angaben war für die Alliierten eine unglaubliche Hilfe, als sie in Frankreich gelandet sind. Man könnte den Guide fast als kriegsentscheidend bezeichnen. Wie wichtig oder um sprichwörtlich zu bleiben, wie kriegsentscheidend ist Ihre Ausgabe des Guide Michelin aus der Vorkriegszeit für Sie und Ihr Schreiben?

H: "Ich habe bei einer Lesung in der Eifel einst zufällig so einen alten Gastroführer entdeckt. Ich fand den wahnsinnig toll und habe mir im Antiquariat sofort einen eigenen besorgt – Ausgabe von 1939. Das Buch war dann zum einen die Grundlage für meinen neuen Krimi „Gefährliche Empfehlungen“, ist aber zum anderen zu einer Art Talisman für mich geworden. Auf meinem ansonsten leeren Schreibtisch liegt der Michelin immer herum. In Schreibpausen blättere ich gern darin. Natürlich kann ich keines der darin benoteten Restaurants mehr aufsuchen, weil es die alle nicht mehr gibt. Aber ich kann es mir vorstellen. Und das regt meine Fantasie an."

1. Unwissenheit als Segen

Die Skandale und Ungereimtheiten, die Kieffer in seinen bisherigen Fällen aufgedeckt hat, scheinen gelegentlich zu unglaublich, um noch wahr zu sein. Zumindest wünscht man sich als Konsument, dass die Sache mit dem Thunfisch im Sushi hoffentlich anders ist. Tatsache ist jedoch, dass Tom Hillenbrand sich keinen der Skandale in seiner Kieffer-Reihe ausgedacht hat.

 

 

Topkrimi: Herr Hillenbrand, Sie leisten für jedes Buch Ihrer Kieffer-Reihe eine Menge Recherche und lernen dabei nicht nur die schönen Seiten der Lebensmittelindustrie kennen. Können Sie überhaupt noch klassisch einkaufen oder auswärts essen gehen?

 

 

Hillenbrand: "Naja, einfacher wird es durch die Bücher nicht. Man könnte sogar sagen, dass einem jede dieser mitunter etwas unappetitlichen Recherchen einen weiteren Genuss ruiniert. Nach meinen Recherchen zu Sushi und Thunfisch für „Rotes Gold“ konnte ich monatelang kein Sushi mehr essen. Nach „Tödliche Oliven“ wurde der Kauf von Olivenöl schwierig. Aber so ist das eben, wenn man weiß, was drin ist. Zum Glück bleiben viele leckere Dinge übrig, bei denen ich völlig ahnungslos bin."

 

 

 

2. Ein Skandal bleibt ein Skandal

Recherchiert man über Skandale, egal welcher Art, scheint es fast logische, andere Menschen darauf aufmerksam zu machen, was eigentlich gespielt wird. Gerade ein Autor, der einen großen Leserkreis erreicht, scheint von Außen betrachtet eine Art moralische Pflicht zu haben, die Massen aufzuklären. Der Grat zwischen Geschichtenerzähler und Moralapostel scheint da manchmal ein dünner zu sein.

Topkrimi: Nutzen Sie, Ihre journalistische Erfahrung im Hintergrund, Ihre Krimis auch, um die Leser bewusst auf den einen oder anderen Lebensmittelskandal aufmerksam zu machen (etwa in Tödliche Oliven) und nicht nur dazu, damit Kieffer ermitteln kann?

Hillenbrand: "Krimis sind auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, solche ernsten Themen zu transportieren, ohne dass es die Leute langweilt. Aber ich will niemanden erziehen oder ihm vorschreiben, was er essen soll. Im Vordergrund steht die Geschichte. In der Lebensmittelindustrie gibt es – leider! – derart viel kriminelle Energie, dass sie als Sujet einfach gut für Kieffers Fälle taugt."

3. Wieviel Hillenbrand in Kieffer steckt

Die Frage, wie sehr ein Buch-Charakter den Menschen ähnelt, die ein Autor täglich um sich hat, beschäftigt viele Leser. Noch viel spannender ist die Frage, wieviel vom Autor selbst in seiner Hauptfigur zu finden ist. 

Topkrimi: Kieffer als der Anti-Sternekoch und Anti-Neuzeitler, ist ja fast schon ein Rebell - Ein Begriff, den man auch auf Sie, Ihren “Ausbruch” aus dem Journalismus und Ihr Hinweisen auf so manche Ungereimtheit in der Lebensmittelindustrie anwenden könnte. Können Sie sich mit dieser Charakterhaltung identifizieren?

Hillenbrand: "Ich kann die Haltung zwar sehr gut verstehen und habe es persönlich auch gar nicht so sehr mit der Sterneküche. Aber die Ähnlichkeiten zwischen Xavier Kieffer und mir sind letztlich doch sehr begrenzt. Anders als er bin ich sehr fortschrittsfreundlich und begeisterte mich für neue Technologien ebenso wie für kulinarische Neuerungen. Und ich bin Nichtraucher und fast Anti-Alkoholiker. Er wüsste mit mir wahrscheinlich wenig anzufangen."

4. Tom Hillenbrand als Koch

Liest man die einzelnen Bände der Kieffer-Reihe, erfährt man eine Menge über Xavier Kieffer und seine Art zu kochen. Auch Tom Hillenbrand stellt sich privat gerne hinter den Herd und erfreut Familie und Freunde mit Selbstgekochtem.

Topkrimi: Sind Sie denn privat als Koch ein Rebell, der gerne alte Rezepte verändert oder neues ausprobiert?

Hillenbrand: "Als Koch mag ich eigentlich eher klassische Sachen – französische und italienische Küche, zum Beispiel. Das mag daran liegen, dass ich Rezepte wie Coq au Vin oder Saltimbocca alla Romana auch halbwegs hinkriege. Um völlig neue, experimentelle Sachen zu kreieren, koche ich einfach zu schlecht und zu wenig."

5. Zwischen Haut Cuisine und regionaler Küche

Ein rebellischer Koch, der den Sternerestaurants und der Sterneküche den Rücken kehrt, um fortan in Luxemburg deftige regionale Speisen anzubieten: Zwischen französischen Gaumenfreunden und Hausmannskost fällt es manchen schwer zu wählen, was sie lieber essen würden.

Topkrimi: Was kochen beziehungsweise essen Sie persönlich lieber: Die Haute Cuisine, wie man sie aus Frankreich kennt oder die deftige, regionale Küche, wie sie Ihr Hauptcharakter bevorzugt?

Hillenbrand: "Auf jeden Fall die deftige Version – französische Landküche oder cucina povera. Ich mag das Rustikale nicht nur wegen der Gerichte, sondern auch wegen des Drumherums. Mal ehrlich, was macht mehr Spaß: Steif in einem Sternerestaurant zu sitzen oder mit Freunden um einen großen Tisch, ohne Menüfolge, ohne Brimborium aber dafür mit viel Geselligkeit?"

6. Die eigenen Kinder als Kritiker

Vor dem Dasein als Vater oder Mutter, war die Sachen mit dem Kochen meistens kein größeres Problem. Schließlich hat man seine Lieblingsrezepte und weiß, was einem schmeckt oder eben nicht. Sobald man jedoch für Kinder kocht, sieht die Sache in vielen Fällen ganz anders aus.

Topkrimi: Kinder können beim Thema Essen ja ganz eigene Vorstellungen davon haben, was lecker ist und was nicht. Sind Ihre Kinder Ihre größten Kritiker, wenn Sie selber kochen?

Hillenbrand: "Eines meiner Kinder hat mal gesagt: „Du bist der beste Kocher.“ Mehr geht eigentlich nicht. Auf jeden Fall halte ich dieses kindgerechte Essen für einen großen Schmarren, es gibt es in vielen anderen Ländern überhaupt nicht. Gerade Kinder sind ja völlig unvoreingenommen. Warum sollten die keine Austern oder Schnecken probieren? Auch Kräuter und Knoblauch in der Sauce kommen meiner Erfahrung nach bei Kindern gut an, wenn man das richtig verkauft."

7. Die Quelle der Inspiration

Egal ob echte Skandale oder fiktive Problmatiken: Manchmal fragt sich der ein oder andere Lese ja doch, wie sich das Gros von Autoren immer wieder etwas neues einfallen lassen kann. Tom Hillenbrand hat für seine kulinarischen Krimis eine ganz eigene Quelle der Inspiration.

Topkrimi: Der Guide Michelin mit seinen detailliert Ortskarten und -angaben war für die Alliierten eine unglaubliche Hilfe, als sie in Frankreich gelandet sind. Man könnte den Guide fast als kriegsentscheidend bezeichnen. Wie wichtig oder um sprichwörtlich zu bleiben, wie kriegsentscheidend ist Ihre Ausgabe des Guide Michelin aus der Vorkriegszeit für Sie und Ihr Schreiben?

Hillenbrand: "Ich habe bei einer Lesung in der Eifel einst zufällig so einen alten Gastroführer entdeckt. Ich fand den wahnsinnig toll und habe mir im Antiquariat sofort einen eigenen besorgt – Ausgabe von 1939. Das Buch war dann zum einen die Grundlage für meinen neuen Krimi „Gefährliche Empfehlungen“, ist aber zum anderen zu einer Art Talisman für mich geworden. Auf meinem ansonsten leeren Schreibtisch liegt der Michelin immer herum. In Schreibpausen blättere ich gern darin. Natürlich kann ich keines der darin benoteten Restaurants mehr aufsuchen, weil es die alle nicht mehr gibt. Aber ich kann es mir vorstellen. Und das regt meine Fantasie an."

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