Direkt zum Inhalt

Suchtgefahr Schmerzmittel – Das musst Du wissen!

Ein Leben ohne Schmerzmittel ist kaum noch vorstellbar – weder für die Medizin, noch für einige der Schmerzmittel abhängigen Menschen. Während in der Medizin viele der entsprechenden Präparate für Operationen oder die Behandlung diverser Krankheiten unerlässlich sind, greifen viele Menschen viel zu leichtfertig zu den rezeptfreien Pillen. Wie und wann die kleinen Helfer zur Gefahr werden, erfahrt Ihr hier:

1. Rezeptfreie Schmerzmittel

Kopfschmerzen? Knieprobleme? Fieber? – Kein Problem: Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen liegen wie Lutschbonbons bereit. Und falls die Packung doch mal leer ist, springt man einfach in die nächste Apotheke und holt sich rezeptfreie Schmerzmittel.

Mit viel Glück teilt einem die Apothekerin oder der Apotheker noch mit wie wir die Präparate einzunehmen haben und auf was wir achten sollen. Doch sind wir mal ehrlich: die meisten hören hier schon gar nicht mehr zu. Vielmehr denkt man: „Ach, das steht schon in der Packungsbeilage“ oder „Ich nehme sie einfach bis der Schmerz weg ist“.

Doch Vorsicht: gerade dieser leichtfertige Griff zu Schmerzmitteln wie bspw. Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol birgt große Gefahren!

2. Der Griff zu Paracetamol, Ibuprofen und all den kleinen Helfern

Am verbreitetsten und bekanntesten sind die entzündungshemmenden Schmerzmittel Aspirin, Ibuprofen und Paracetamol, die wir rezeptfrei in der Apotheke erhalten.

Diesen Schmerzmitteln gemein ist, dass sie Schmerzbotenstoffe unterdrücken, sowie fieber- und entzündungshemmend wirken. Wichtig zu berücksichtigen ist, dass sie keineswegs harmlose Medikamente sind, nur weil sie frei verkäuflich sind.

Ärzte, sowie Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin weisen dringlichst darauf hin, auf die Therapierung zu achten. Das heißt, man braucht keine Angst haben, wenn man bei Schmerzen zu diesen Medikamenten greift. Allerdings ist es entscheidend auf die Dosierung zu achten, die unter anderem vom Alter, der Nierenfunktion und weiteren Erkrankungen des Patienten abhängen.

Das non plus ultra bei der Einnahme der rezeptfreien Schmerzmittel ist also das Lesen der Packungsbeilage und die Beachtung der Dosierungsvorgaben. Im Idealfall ist diese von einem Arzt angeordnet.

ASS, Ibuprofen und Dicolefnac

Grundsätzlich wissenswert zu den Wirkstoffen ASS (z.B. Aspirin), Ibuprofen und Diclofenac ist, dass sie direkt am Entzündungsherd des Körpers ansetzen. Allerdings dienen die Arzneistoffe der symptomatischen Behandlung von Schmerzen und Entzündungen. Entsprechen bekämpfen sie nicht die Ursache der Beschwerden, sondern lindern diese lediglich.

Neben Klassikern wie Kopfschmerzen, Zahnschmerzen und Fieber, werden die Arzneimittel zum Beispiel auch bei akuten und chronischen Gelenkverletzungen (z.B. Rheuma), sowie schmerzhaften Schwellungen nach einer Verletzung verordnet.

Paracetamol

Ähnlich wie ASS, Ibuprofen und Diclofenac, dient das Medikament Paracetamol ebenfalls zur symptomatischen Behandlung leichter bis mittlerer Schmerzen. Es lindert ebenfalls die Beschwerden, aber beseitigt nicht die Schmerzursachen. Zudem ist der Wirkstoff Paracetamol in zahlreichen Medikamenten enthalten, wie beispielsweise in Kopfschmerzmitteln, Fiebersenkern und Erkältungspräparaten.

Wichtig ist, dass Paracetamol im Gegensatz zu den bereits genannten rezeptfreien Schmerzmitteln nur im zentralen Nervensystem wirkt.

3. Die Folgen eines Medikamentenmissbrauchs

Besonders für chronisch erkrankte Personen ist die Einnahme schmerzlindernder Präparate unerlässlich. Doch die tägliche Einnahme von Schmerzmitteln nimmt generell rapide zu. Schmerztherapeuten merken hierzu an, dass viele Patienten sich rezeptfreie Schmerzmittel kaufen oder sogar auf im Ausland beschaffte Medikamente zurückgreifen um sich selbst zu therapieren - obwohl keine fundierte Grundlage hierfür vorliegt.

Viel zu häufig werden die Risiken unterschätzt, die Medikamente mit sich führen. Bei regelmäßigem Gebrauch belasten diese nicht nur die Organe, sondern erhöhen auch das Risiko innerer Blutungen, verlängern die Blutungszeit oder können Asthmaanfälle, Benommenheit, sowie Schwindel und Verwirrtheit hervorrufen.

Besonders schnell werden rezeptfreie Schmerzmittel wie Aspririn oder Ibuprofen auch gegen Kopfschmerzen eingenommen. Doch ab einer bestimmten Menge und Häufigkeit, kann sich die Situation wenden: die Schmerzmittel werden der Auslöser für Kopfschmerzen! Im Fachjargon spricht man von medikamenteninduziertem Kopfschmerz.

Dieser gewohnheitsmäßigen Einnahme von Kopfschmerztabletten, aber auch anderer Medikamente, zu entrinnen, ist oftmals sehr schwierig. Letztlich kann die übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln, beziehungsweise der Missbrauch zu einer ähnlichen körperlichen Abhängigkeit führen wie bei Opiaten und Opioiden.

Wer den Absprung von diesem Teufelskreis schaffen will, der sollte sich dafür unbedingt ärztliche Unterstützung suchen, sowie eine Suchtberatungsstelle kontaktieren.

Außerdem ist es häufig unabdingbar eine gründliche Diagnostik vorzunehmen, um herauszufinden, warum die Schmerzen überhaupt bestehen. Erst dann kann eine gezielte Schmerztherapie eingeleitet werden, falls diese notwendig ist.

4. Einnahmefehler – versteckte Gefahren

Selbst wenn wir Arzneimittel bezogen auf die Häufigkeit gewissenhaft einnehmen, birgt unser Alltag dennoch einige Gefahren. Während einige Medikamente beispielsweise bei nüchternem Magen eingenommen werden sollen, ist dies bei anderen wiederum ganz und gar nicht empfehlenswert. Besonders bei den oben angeführten Schmerzmitteln ist es magenschonender, die Tabletten mit oder nach dem Essen einzunehmen.

Grundsätzlich empfehlen Pharmakologen nötige Arzneimittel stets mit einem Glas Wasser einzunehmen. Zumindest sind wir so auf der sicheren Seite. Denn bei einigen Lebensmitteln kann die Wirkung der Medikamente ungünstig beeinflusst werden:

Milch, Kaffee, Tee oder Grapefruitsaft

Bei Milch, Kaffee, Tee und Grapefruitsaft ist besondere Vorsicht geboten. So kann letzterer die Wirkung von Medikamenten drastisch erhöhen, während Milch als Wirkungshemmer fungiert. Dieser Effekt tritt vor allem bei bestimmten Schlaf- oder Kopfschmerzmitteln auf.

Spinat, Brokkoli und Sauerkraut

Zum Problem können auch Gemüsesorten wie Spinat, Brokkoli oder Sauerkraut werden. Isst man sie in großer Menge und nimmt bestimmte Blutverdünner ein, schwächt man die Wirkung der Präparate. Grund hierfür ist das Vitamin K: während blutverdünnende Mittel den Vitamin K-Stoffwechsel und dadurch Gerinnungsfaktoren hemmen sollen, enthält das Gemüse wiederum viel davon.

5. Alkohol und Schmerzmittel – eine gefährliche Mischung

Das größte und allseits bekannte Problem bei der medikamentösen Therapie ist die Kombination von Alkohol und Schmerzmitteln. Der Genuss von Alkohol kann die Wirkung der Medikamente nicht nur enorm verstärken, sondern auch die Nebenwirkungen begünstigen. Dennoch greifen viele zuerst zur Tablette und später zum Bier oder zum Glas Wein, weil sie die Risiken unterschätzen.

Leberbelastung

Dabei birgt die Kombination aus Alkohol und Schmerzmittel Folgen wie eine erhöhte Leberbelastung:

Bei der Einnahme von Schmerzmitteln spaltet der Körper diese nach der Einnahme in einzelne chemische Bestandteile auf. Neben den eigentlichen Wirkstoffen gelangen dadurch ebenfalls schädliche Substanzen in das Blut, die wiederum für die Nebenwirkungen der Schmerzmittel verantwortlich sein können. Doch der Körper erkennt diese Gefahren und hält für diese schädlichen Substanzen daher Abbauprozesse bereit, die in der Regel in der Leber stattfindet.

Alkohol wird jedoch ebenfalls in der Leber abgebaut. Entsprechend hat die Leber mit beiden Substanzen, Alkohol und Schmerzmittel, zu kämpfen und der Abbau verlangsamt sich. Dieser langsamere Abbauprozess führt wiederum dazu, dass die Lebergifte das Organ länger schädigen. Im Extremfall sind sogar Vergiftungen möglich.

Flush-Reaktion

Weiter zählt zu den Alkohol und Schmerzmittel Folgen die sogenannte Flush-Reaktion, die besonders bei der Kombination von Schmerzmitteln wie Aspirin und Alkohol auftreten kann. Durch die gemeinsame Einnahme kann die Funktion des Enzyms Aldehyd-Dehydrogenase beeinträchtigt werden, welches für den Abbau des Alkohols notwendig ist. Es wandelt Acetaldehyd (ADH), sein schädliches Abbauprodukt, in ungiftige Stoffe um.

Schmerzmittel können die Arbeit dieses Enzyms allerdings erheblich bremsen, so dass die giftigen Substanzen länger im Körper verbleiben. Das kann wiederum zu einer sogenannten Flush-Reaktion führen: Den Betroffenen wird plötzlich übel, sie beginnen zu schwitzen, ihr Gesicht färbt sich rot und das Herz rast. Vor allem Asiaten sind bereits häufig bei geringem Alkoholkonsum von solch einer Flush-Reaktion betroffen, da ihnen durch einen Gen-Defekt das Enzym fehlt.

Unnötige Verstärkung

Nicht nur die Nebenwirkungen setzen dem Körper zu, auch die gewünschte Wirkung der Schmerzmittel kann durch Alkohol verstärkt werden. Alkohol, sowie Schmerzmittel blockieren bestimmte Botenstoffe und haben eine dämpfende, sowie beruhigende Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Treffen zwei entsprechend beruhigende Wirkstoffe auf den Körper, kann dies zu gefährlichen Wechselwirkungen bis hin zum Atemstillstand führen.