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Frau in Unterwäsche und Geld
Kriminalroman

Prostitution in Deutschland

„Sie kommen als Fremder und gehen als Freund“. Dieser Spruch prangt auf der Hauswand eines deutschen Bordells. Doch das Etablissement befindet sich nicht, wie häufig von Bordellen angenommen, inmitten eines Industriegebiets, sondern an einer viel befahrenen Straße. Täglich passieren Pendler auf ihrem Weg zur Arbeit und zurück die einprägsame Hauswand und das dazugehörige Etablissement. Auch die Route öffentlicher Verkehrsmittel führt an dieser Lokalität vorbei und sorgt bei Kindern bei Aufsehen, die ihre Eltern häufig fragen, warum vor dem Haus rote Laternen stehen…

Während die Eltern meist fieberhaft überlegen was sie ihren Kindern nun erzählen, fragen wir uns seit wann die Prostitution in Deutschland eigentlich als gewöhnliche Dienstleistung anerkannt wurde.

1. Die Ursprünge der Prostitution

Existiert hat das Gewerbe um sexuelle Handlungen schon vor tausenden von Jahren. Bereits im Altertum, beispielsweise in Babylon, gab es eine sogenannte Tempelprostitution. Gegen Geschenke an den Tempel oder die Gottheiten vollzogen die Frauen dort sexuelle Handlungen, die angeblich in kultischem Zusammenhang standen und den Göttern als wohlgefällig deklariert wurden. Hingegen traten in der griechischen Antike Prostituierte bereits im heutigen Sinne auf und ohne Wohlgefallen der Götter. Selbst im Mittelalter, in einer der Hochzeiten der kirchlichen Moral, stieg die Anzahl der Bordelle in den Städten immens an.

Als einen Höhepunkt des göttlichen Sündenpfuhls im Mittelalter, kann man aber das Konstanzer Konzil bezeichnen. In den vier Jahren der Papstwahl befanden sich nämlich sage und schreibe 800 Huren in der damaligen 7000-Einwohner Stadt. Noch heute erinnert die neun Meter hohe Imperia-Statue im Konstanzer Hafen an die sündige Konzil-Zeit und zeigt wie Prostitution Geschichte schreiben kann: knapp bekleidet hält die Kurtisane einmal in ihrer rechten und einmal in ihrer linken Hand den König und den Papst, denen eine Mätressenherrschaft nachgesagt wird.

Letztlich lassen sich wohl in jeder Epoche Hinweise für das stehende Gewerbe finden.

2. Prostitution als Sittenwidrigkeit

Im Jahr 1901 erklärte man jedoch die Prostitution in Deutschland per Gesetz als sittenwidrig und hoffte somit ihre Legalität in der Gesellschaft aus den Weg zu räumen. Zwar gab es Sperrgebietsverordnungen, die die Lokalitäten der Prostituierten regelten, doch das Strafgesetzbuch stellte die Förderung der Prostitution unter Strafe.

Des Weiteren galt ein sittenwidriges Geschäft laut Bürgerlichem Gesetzbuch als nicht rechtskräftig. Entsprechend konnten sich Prostituierte weder offiziell sozialversichern, noch Arbeitslosengeld beantragen. Selbst ihr vereinbartes Honorar, ließ sich nicht gerichtlich einklagen, falls ein Freier nicht bezahlen wollte.

3. Die Ausübung unter dem Deckmantel der Heimlichkeit

Obwohl es um die Rechte Prostituierter seit 1901 ohnehin schon schlecht bestellt war, verschärfte sich die Lage noch mehr. 1965 stufte nämlich ein Gerichtsurteil Prostituierte als Berufsverbrecher ein.

Nun konnten sich also weder Bordelle, noch Nachtclubs oder Callgirl-Agenturen aufgrund der Sittenwidrigkeit offiziell als Gewerbe anmelden. Von den Prostituierten selbst ganz zu schweigen. Sie mussten sich stets kreative Verschleierungstaktiken ausdenken, um sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anzubieten, aber durften diese keinesfalls offiziell zu bewerben.

Betreiber entsprechender Etablissements, die also ihr Geschäft rechtsschaffen führen wollten, aber zugleich nicht in die Illegalität gedrängt werden wollten, meldeten Geschäftsräume beispielsweise unter dem Deckmantel von Modellagenturen an. Dahinter verbarg sich dann eine Callgirl-Agentur und Römerbäder mit geregelten Öffnungszeiten waren unter Insidern als FKK-Clubs bekannt.

Während also der Großteil der Bundesbürger nichts von der Prostitution in Deutschland mitbekam, wussten Insider genau nach welchen Botschaften sie Ausschau halten mussten.

Unter einem Deckmantel der Verschwiegenheit trafen sich so die Prostituierten und ihre Kunden. Wer nun aber glaubt, dass sich die Prostituierten ihren Lebensunterhalt schwarz verdienten, der irrt sich: das Finanzamt bekam sein Geld, aber die Prostituierten keine Krankenversicherung oder sonstige Sozialleistungen.

4. Der Prozess des Umdenkens

Entsprechend begann in den 1990er Jahren eine Zeit des Umdenkens: Sexarbeit sollte als Beruf anerkannt werden!

Einen ersten Meilenstein in die richtige Richtung setzte 1995 eine Prostituierte, der es gelang gerichtlich ihr verabredetes Honorar von einem Freier einzuklagen. Mit diesem Urteilsspruch pflichtete das Gericht der Frau bei, dass Prostitution ein Rechtsgeschäft sei, bei dem man seinen Lohn auch einklagen könne. D.h. dieses Gericht sah Prostitution nicht als sittenwidrig an.

5. Wenn Prostitution Geschichte schreibt

Im Jahr 2002 zog schließlich die Bundespolitik nach und setzte das Prostitutionsgesetz in Kraft. Jedoch musste das Gesetz von der rot-grünen Fraktion so abgespeckt werden, dass die christdemokratische Mehrheit dem Prostitutionsgesetz im Bundestag nicht zustimmen musste.

Seit der Gesetzesverabschiedung gilt Prostitution in Deutschland also als legale Erwerbstätigkeit und Prostituierte können sich beispielsweise als Selbstständige bei den Behörden anmelden und sich sozialversichern. Zudem untersteht eine Prostituierte seit dem Prostitutionsgesetz nicht dem Weisungsrecht ihres Arbeitgebers. Laut Gesetz darf sie also selbst entscheiden, ob sie gewisse Kunden oder Sexualpraktiken ablehnt.

Seit dem Prostitutionsgesetz machen sich auch Bordellbetreiber und Zuhälter nicht mehr strafbar. Vielmehr wird es als Schaffung sicherer Arbeitsbedingungen angesehen.

Auch wenn das Gesetz erste Impulse in die richtige Richtung vorgibt, so fehlen dennoch einige Grundlagen im Umgang mit der Prostitution. Derzeit können nämlich die Bundesländer das Prostitutionsgesetz unterschiedlich handhaben und die Behörden es verschieden auslegen. Zudem fehlen noch Rechtssicherheiten und Thematiken, die die Sperrgebietsverordnung, das Gaststättengesetz und das Gesetz über Ordnungswidrigkeiten betreffen.

Trotz dieser Lücken, kann das Prostitutionsgesetz als ein Paradigmenwechsel betrachtet werden. Schließlich geht die Bundespolitik nicht mehr länger davon aus, dass das Thema Prostitution ein Tabu ist, sondern eine legale Dienstleistung. Bis sich diese Ansicht allerdings in der Gesellschaft etabliert hat und Prostitution ohne Stigmatisierung und Vorurteil existieren kann, wird es noch einige Jahre dauern.

Die Prostituierten halten jedenfalls an ihrem Kampf in Richtung Paradigmenwechsel fest und so trat im Juli auch das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft. Ziel des Gesetzes ist laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, "das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von Prostituierten zu stärken, die Arbeitsbedingungen der in der legalen Prostitution Tätigen zu verbessern und Kriminalität aus dem Bereich der Prostitution zu verdrängen."

6. Gefährliches Geschäft mit der Liebe

Für die Edelprostituierte Irina in Andreas Franz‘ neuen Kriminalroman „Das Syndikat der Spinne“ kommt jedoch jedes Prostituiertenschutzgesetz zu spät: An einem heißen Juniwochenende werden in einer Frankfurter Wohnung die unbekleideten Leichen von Andreas Wiesner und Irina gefunden. Zunächst fällt der Verdacht auf Wiesner, der scheinbar zuerst seine Geliebte und dann sich selbst durch einen Kopfschuss umgebracht hat. Kommissarin Julia Durant zweifelt allerdings an dieser Version des Tathergangs und beginnt zu ermitteln. Dabei gerät sie selbst in den Dschungel des organisierten Verbrechens.

Auch der zweite Fall in Andreas Franz‘Kaltes Blut“ stellt Kommissarin Julia Durant vor ein Rätsel: In einem wohlhabenden Frankfurter Vorort ist die 15jährige Selina verschwunden. Seit sie in dem Reitstall war, in dem sie sich mit Vorliebe aufhielt, ist sie nicht mehr nach Hause zurückgekehrt und wird kurz darauf ermordet aufgefunden. Noch rätselhafter wird der Mordfall, als sich herausstellt, dass Selina schwanger war.

Ob Julia Durant die Mordfälle in Andreas Franz‘ Doppelroman lösen wird und die Mörder überführt, erfahrt ihr in „Das Syndikat der Spinne“ + „Kaltes Blut“.

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