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Kreuzverhör

Plötzlich verschwunden: Die 5 spektakulärsten Entführungen!

Immer wieder geraten vor allem wohlhabende Familien und Prominente ins Visier von Entführern. Als Personen des öffentlichen Lebens stehen sie häufig im Scheinwerferlicht der Medien und können ihr Privatleben meist nur schwer unter Verschluss halten. Gerade für Erpresser und Kidnapper ist das ein gefundenes Fressen. Zwar sind die meisten Entführer in Deutschland nur Gelegenheitskriminelle und werden in der Regel schnell gefasst, doch ihre Opfer sind dennoch der Angst und Gefahr ausgesetzt. Welche spektakulären Entführungsfälle in Deutschland in die Geschichte eingingen, erfahrt Ihr hier:

1976: Der Fall Oetker

Im Dezember 1976 lauert Dieter Zlof seinem Opfer, Richard Oetker, auf dem Parkplatz der Universität Weihenstephan bei München auf. Als der damals 25-Jährige Sohn des Konzernchefs Rudolf August Oetker seinen Wagen aufschließen will, bedroht ihn der Entführer mit einer Gaspistole und überwältigt den Studenten.

Der fast zwei Meter große Mann muss sich dann in eine 1.75 Meter lange, 80 Zentimeter hohe und 70 Zentimeter breite Kiste zwängen. Was Richard Oetker allerdings noch nicht weiß: sein Peiniger hat die Kiste nicht nur mit einer Gegensprechanlage, sondern auch mit einem perfiden Folterinstrument ausgestattet. Ein Akustomat sorgt dafür, dass ab einer bestimmten Phonstärke, wie zum Beispiel bei Hilferufen, der Körper des Gefangenen automatisch mit Stromstößen traktiert wird.

Während Oetkers Frau und Familie damit beschäftigt ist, die 21 Millionen Mark Lösegeld zu beschaffen, transportiert Zlof den Entführten zu einer Garage. Als der Entführer am nächsten Morgen beim Öffnen der Garagentür allerdings das Blechdach des Kastenwagens, in dem sich der eingesperrte Oetker befindet, touchiert, wird ein Stromschlag von solcher Stärke ausgelöst, dass Oetker fast stirbt.

Ob der Akustomat tatsächlich unbeabsichtigt ausgelöst wurde, wie es der Erpresser später behauptete, bleibt unklar. Die Folgen für Richard Oetker waren allerdings entsetzlich: Ihm wurden durch die extremen Stromstöße beide Oberschenkelhalsknochen und acht Lendenwirbel gebrochen, er war bewegungsunfähig und hatte unerträgliche Schmerzen.

Bei dem Versuch, die Geldübergabe zu beschleunigen und einen Tag vorzuverlegen, wird die Stimme des Täters am Telefon von der Polizei sogar mitgeschnitten. Dennoch wird Zlof nicht enttarnt. Als Richard Oetkers Bruder das Lösegeld am vereinbarten Treffpunkt im Untergeschoss des Stachus vor einer Stahltür neben einer Apotheke abstellt, ergreift Zlof den Geldkoffer durch eine Fluchttür und kann den Fahndern entfliehen.

Der Erpresser zu seinem Opfer zurück und bringt Oetker schwer verletzt in ein Waldstück in der Nähe von München. Anschließend wird die Familie über Richard Oetkers Aufenthaltsort informiert. Dieter Zlof beteuert hingegen 20 Jahre lang seine Unschuld bis er später ein Geständnis in Buchform ablegte.

1987: Die Schlecker-Entführung

Im Jahr 1987 kommt es zur Entführung der Schlecker-Kinder Lars und Meike. Als die Mutter des damals größten deutschen Drogeriefilialen-Inhabers Anton Schlecker mit ihren beiden Kindern vor ihrer Villa im baden-württembergischen Ehingen überfallen werden, kidnappen die Täter die beiden Kinder. Anfangs forderten die Entführer 18 Millionen Deutsche Mark Lösegeld, während die Geschwister derweil in einer Fischerhütte gefesselt gefangen gehalten werden.

Nach stundenlangen Verhandlungen konnte der Vater die Lösegeldforderung auf 9,6 Millionen Mark herunter handeln. Die Summe, über die Schlecker versichert war.

Als sich ein Prokurist Schleckers mit der vereinbarten Summe von Ulm aus auf den Weg nach Ehingen macht, wo das Geld übergeben werden soll, konnten sich Lars und Meike in der Zwischenzeit selbst befreien und aus der Fischerhütte fliehen. Die Erpresser verschwanden hingegen mit dem Auto des Mitarbeiters und blieben unentdeckt.

Erst 12 Jahre später konnten die Entführer nach einem Bankraub gefasst werden.

1996: Die Jan Philipp Reemtsma - Entführung

Ende des 20. Jahrhunderts scheinen sich die Entführungsfälle zu häufen und so kommt es im März 1996 zu einer weiteren Entführung: der Hamburger Millionen-Erbe Jan Philipp Reemtsma wird auf seinem Grundstück überfallen und überwältigt. Anfangs verlangten die Entführer für die Freilassung 20 Millionen Deutsche Mark. Als aber zwei Lösegeldübergaben scheiterten, da die Täter Polizeipräsenz vermuteten, nahmen sie dies als Anlass schließlich 30 Millionen Mark Lösegeld zu fordern.

Dies ist bislang der höchste Betrag, der jemals bei Entführungen gefordert wurde und geht daher definitiv in die Geschichte der Entführungsfälle ein.

Ohne das Wissen der Polizei, aber mit der Unterstützung eines Pastors, Soziologen und Sozialarbeiters organisierten die Angehörigen eine neue Geldübergabe, die glückte. Sie zahlten den Kidnappern 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken, die sie in einem angemieteten Auto deponierten und zum Übergabeort brachten. Nach der Anweisung das Auto zu verlassen und sich zu entfernen, eigneten sich die Kidnapper das Geld an und fuhren das Auto an einen Abhang, womit eine Verfolgung unmöglich wurde. 43 Stunden nach der Lösegeldübergabe wurde Reemtsma schließlich nach 33 Tagen Gefangenschaft in einem Keller freigelassen.

Die beiden Täter konnten dennoch geschnappt werden und erhielten lange Haftstrafen. Jan Philipp Reemtsma hat seine Erlebnisse unter anderem in seinem Buch „Im Keller“, das 1997 erschien, aufgearbeitet.

2010: Bankiersfrau Maria Bögerl

Sieben Jahre beschäftigt nun der Entführungsfall der Bankiersgattin Maria Bögerl bereits die Ermittler. Alles begann im Mai 2010 als die 54-Jährige aus ihrem Haus in Heidenheim entführt wird und ihr Mann per Telefon eine Lösegeldforderung von 300.000 Euro erhielt. Dieses legte er an der vereinbarten Stelle an der A7 ab. Allerdings wurde das Geld nie abgeholt und der Kontakt zu den Entführern riss ab. Ab diesem Zeitpunkt fehlte von Maria Bögerl jede Spur.

Verzweifelt wandte sich die Familie eine Woche später in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ sogar an den Entführer. Jedoch erfolglos.

Einen Monat später findet schließlich ein Spaziergänger die Leiche von Maria Bögerl am Waldrand. Die Rechtsmediziner stellten fest, dass die Bankiersfrau erstochen wurde. Bekannt ist allerdings immer noch nicht, ob die 54-Jährige bereits vor der gescheiterten Lösegeldübergabe getötet wurde.

Seither wurden zahlreiche Speichelproben genommen und getestet. Trotz neuer Software-Technik gelang es den Ermittlern über all die Jahre hinweg nicht den Täter zu fassen. Als im April 2017 eine bundesweite Fahndung eingeleitet wurde und die Polizei ein Phantombild und eine Sprachaufnahme veröffentlichte, konnte schließlich ein Verdächtiger gefasst werden. Der DNA-Abgleich des potentiellen Täters erwies sich aber als negativ und so tappen die Ermittler bis heute im Dunklen.

2015: Würth-Entführung

Ebenfalls in den Kreis der spektakulären Entführungen zählt vor zwei Jahren die des Sohns von Reinhold Würth, dem Schraubenmilliardär. Im Juni 2015 wird der behinderte Sohn, Markus Würth, im osthessischen Schlitz im Vogelbergkreis gekidnappt und der Entführer fordert drei Millionen Euro Lösegeld. Zu einer Übergabe kam es allerdings nie und einen Tag nach der Entführung findet man den Sohn bereits in einem Waldstück an einen Baum gefesselt. Zuvor hatte der Täter die Geodaten des Ortes preisgegeben.

Obwohl die Familie auf eine TV-Fahndung setzte und sich an die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ wandte, konnte der Fall bis heute nicht aufgelöst werden.

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