Psychothriller

Nervenkitzel pur: Wieso wir so gerne Thriller lesen

Eigentlich ergibt es doch keinen Sinn, dass wir uns gerne Gruseln. Angst ist schließlich kein Gefühl, dass wir mit Adjektiven wie schön oder angenehm in Verbindung bringen würden. Trotzdem werden in Deutschland so viele Krimis und Thriller verkauft, wie in keinem anderen europäischen Land. Aus dem früher belächelten Genre ist eine Größe am Buchmarkt geworden, die sogar in Feuilletons großer Zeitschriften besprochen wird. Krimis & Thriller, am besten in Kombination, verkaufen sich heute so gut wie noch nie.

Doch warum lässt sich der Mensch so gerne erschrecken? Wir haben ein paar Fakten über die Lust an der Angst für Dich!

1. Das Spiel mit der Angst

Die Hände sind feucht, das Herz klopft, der Atem stockt. Angst und Spannung äußern sich zunächst vor allem körperlich. Unser Körper bereitet sich darauf vor, von einer potentiellen Gefahrenquelle wegzulaufen und produziert deswegen Adrenalin. Es ist dieses vom Adrenalin ausgelöste High, das Psychologen als Angstlust bezeichnen. Dank der menschlichen Vorstellungskraft braucht es für ein derartiges High jedoch keine echte Gefahr. Eine überzeugend erzählte Geschichte reicht vollkommen aus - und hier kommen Bücher ins Spiel.

Ein gut geschriebener Psychothriller ist für viele genauso aufregend wie ein Bungee-Sprung. Nur dass man der Gefahr oder der Angst beim Lesen eben nur gedanklich gegenübersteht. Das besondere hierbei: Wir setzen uns dem Gefühl der Angst und der Panik dabei in einem sicheren Rahmen aus. Denn wir können jederzeit in unser sicheres und gemütliches Wohnzimmer zurückkehren, sollte die Gefahr uns doch einmal zu groß werden. Und vor diesem Hintergrund gruselt es sich doch gleich ein bisschen besser.

2. Lernen für den Ernstfall

Merkmal eines guten Thrillers ist vor allem eines: Ein lang gehaltener Spannungsbogen. Über hunderte Seiten hinweg jagt ein überraschendes Ereignis das nächste. Bis es am Ende zum Showdown und zur Auflösung kommt. Der fragliche Protagonist hat hier im Idealfall den Horror überstanden und so stellvertretend für den Leser über die Angst gesiegt. Laut Psychologen gibt uns dieser Sieg selbst ein gutes Gefühl, denn immerhin waren wir ja gedanklich dabei. Dieses Prinzip wird in abgeschwächter Form sogar schon bei Erzählungen oder Märchen für Kinder angewendet.

Wenn Schneewittchen dem Jäger entkommt und Nemo zurück ins Meer gelangt wird auch hier Spannung erzeugt und gelöst. Dadurch lernen wir bereits von Kindesbeinen an, uns auch mit unangenehmen Gefühlen auseinanderzusetzen. So sind wir im späteren Leben auf das Gefühl der Angst vorbereitet. Wichtig ist dabei allerdings, dass jeder Mensch seine eigene Toleranzgrenze hat. Was für den einen vorbereitend und ertragbar ist, kann den anderen bis in den Schlaf hinein verfolgen. Diese persönliche Grenze sollte man nach Möglichkeit kennen und einhalten.

3. Friede macht Horror

Umgeben von Bürgerkriegen, Protesten und Krisengebieten erlebt Deutschland aktuell die friedvollste Phase seiner Geschichte. Das mag überraschen, erklärt aber laut Psychologen auch den Drang der Deutschen nach Krimis und Thrillern. Das wird sogar noch schlüssiger, wenn man unser heutiges Leben mit dem im Mittelalter vergleicht. Warum? Ganz einfach: Dort gehörte übermäßige Gewalt zum Alltag. Bereits Kleinkinder verfolgten gebannt Exekutionen auf dem Marktplatz, die vor allem blutig und nicht selten grausam waren. Der Schrecken war damals ein ständiger Begleiter und das nicht nur tagsüber.

Insbesondere nachts konnte hier hinter jeder Ecke der Tod lauern. Heutzutage genießen wir hingegen ein großes Maß an Sicherheit in unserem täglichen Leben. Wer Schrecken will, muss ins Kino, in die Geisterbahn oder eben einen Thriller lesen. Das Verlangen nach Grusel ist damit auch ein Ausdruck unserer Suche nach Nervenkitzel, der in unserer modernen, sicheren Gesellschaft scheinbar fehlt.

4. Schneller, höher, weiter

Zwischen den unzähligen Thrillern, aber auch Krimis, die jedes Jahr neu erscheinen, bleibt die Frage, ob denn die Inhalte immer grausamer werden. Denn wie sonst sollte das immer gleiche Schema eines Thrillers jedes Jahr aufs neue so viele Interessenten finden? Buch-Experten stellen dabei einen eindeutigen Trend hin zu mehr Grausamkeit und mehr Nervenkitzel fest. Das heißt jedoch keineswegs, dass unsere Gesellschaft verroht. Oder wir uns an Spannung, Grusel und blutige Szenen gewöhnen.

Wie gut man mit derlei Szenen und dem Gefühl der Angst umgehen kann, wird von anderen Faktoren beeinflusst. Ganz oben auf der Liste stehen dabei gesellschaftliche Konventionen und die Gene. Sich selbst abhärten gegen Grusel und Horror kann man sich also nur bis zu einem bestimmten Grad. Wieso dann aber die immer düstereren Szenen in Thrillern? Die Erklärung ist so einfach wie ernüchternd: Ein Wettkampf unter den Autoren selbst, um die drastischste Wendung und die blutigste Szene. Dem Genre Thriller tut das aber keinen Abbruch.

Wenn Du das Genre Thriller liebst, ist "Safe House" von Chris Ewan definitiv etwas für Dich:

Rob erwacht nach einem Motorradunfall im Krankenhaus. Er will wissen, wie es seiner Beifahrerin ergangen ist. Doch ein zweites Unfallopfer hat es nie gegeben. Voller Selbstzweifel versucht Rob herauszufinden, was geschehen ist. Hat die seltsame Begegnung mit Lena, die er kurz vor seinem Unfall auf der verlassenen Isle of Man getroffen hat, etwas damit zu tun? Das Auftauchen von Rebecca, die angeblich beim MI5 gearbeitet hat und ihm nun helfen will, macht die Verwirrung perfekt. Woher wusste sie von dem Unfall? Wer hat sie geschickt? Und vor allem: wem kann Rob noch trauen?

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