Skip to main content

Wahre Fälle

Menschenhandel: Nur ein Problem ferner Länder?

Menschenhandel – denkst Du beim Klang dieses Wortes nicht auch an ferne Länder, an Krieg und Ausbeutung, aber so gar nicht an unsere „First World Problems“? Der Eindruck täuscht: Die Tentakel der Menschenhändler erstrecken sich längst über die gesamte westliche Welt.

Ob Sklaverei, Organhandel, Prostitution oder Kinderarbeit: Der Handel mit der menschlichen Freiheit boomt. Und es ist noch lange kein Ende in Sicht: Neue, moderne Formen der Sklaverei und Ausbeutung tragen jedes Jahr zum Wachstum ganzer Wirtschaftszweige und neuer Märkte bei. Märkte, die eine ganz andere Art von „Ware“ anbieten: Menschen. Schockiert? Dann lies weiter, um zu erfahren, wo es überall Menschenhändler gibt, was ein Menschenleben eigentlich kostet und wie es sich mit dem Thema Menschenhandel in Deutschland verhält. „Denn Wissen selbst ist Macht“, sagte schon Francis Bacon.

Was genau ist Menschenhandel?

Der Begriff „Menschenhandel“ bezeichnet eine Form der Ausbeutung, im Zuge dessen Menschen – meistens sind es Frauen und Kinder, seltener junge Männer – wie Ware (meist grenzüberschreitend) gehandelt, zwangsbefördert und verkauft werden. Während in der Medizin und in der Forschung täglich neue, fortschrittliche Errungenschaften erzielt werden und Unsummen von Gelder in Konsumgüter fließen, ist das Thema „Human Trafficking“ in unserer Gesellschaft leider längst nicht Geschichte. Im Gegenteil, die Zahl der Menschenhändler ist in den letzten Jahren wieder drastisch gestiegen. Wusstest Du, dass der Handel mit dem menschlichen Körper heutzutage als das Verbrechen gilt, das die drittgrößte kriminelle Einkommensquelle auf dem Globus darstellt?

Oftmals ist auch die mächtige Mafia an diesen Geschäften beteiligt – mittlerweile gehört Ausbeutung und Menschenhandel zu einem wichtigen Geschäftszweig der Mafia-Bosse in den meisten Ländern, nicht nur in Deutschland. Nur der Handel mit Waffen und das Drogenbusiness liegen ertragsmäßig vor dem Business mit dem Leben.

Menschenhandel" setzt meist Täuschung, Machtmissbrauch, Drohung, Nötigung oder andere illegale Praktika voraus. Dadurch fällt eine der beiden Parteien in die Rolle des Opfers, das sich meist nicht wehren kann und vollständig den Wünschen und der Willkür des Machthabers – Ausbeuters – ausgesetzt ist. So entsteht eine ungleiche Abhängigkeit des Opfers vom Ausbeuter, der somit das Schicksal des Opfers in der Hand hat und meist über Leben und Tod richten kann. Sind die Opfer Kinder, ist die Abhängigkeit noch um einiges größer – ebenso die Gefahr der langfristigen Schäden.

Wie Du Dir vorstellen kannst, sind die Opfer meist psychisch und physisch schwer traumatisiert, denn in fast allen Fällen wird nicht nur ein, sondern eine ganze Summe an Menschenrechten verletzt. Schleuser, Menschenhändler und Prostitutionsringe kümmern sich meist nicht um das Wohlbefinden ihrer „Ware“, sondern nur um den Profit, den sie einstreichen können. Was macht es da schon, wenn Du es als ein kleiner Teil des „Warenbestands“ nicht schaffst – dieses Risiko gehen die meisten Ausbeuter ein, denn Warennachschub ist meist nicht das Problem.

In welchen Formen äußert sich Menschenhandel heute?

Wenn Du glaubst, Sklaverei sei längst Geschichte, dann täuschst Du dich sehr. Sklaverei – in neuen, modernen Formen, ist präsenter denn je. Die Tage, an denen Sklaven die großen Pyramiden Ägyptens unter menschenunwürdigen Bedingungen und unerträglicher Hitze erbauen mussten oder Baumwollpflücker in Ketten und zu Tausenden von Afrika in die Südstaaten Nordamerikas verschifft wurden, sind längst nicht gezählt. Im Gegenteil, die Formen der Ausbeutung nehmen eher zu, als dass sie abnehmen.

Der Westen sieht sich gerne als Vorreiter, als Fortschritt schlechthin, als Moralapostel und Sittenpolizist. Doch ist er das wirklich? Kann ein westliches Land, in dem Kinder zum Betteln auf die Straße geschickt werden, junge Frauen in Bordellen leiden und hungernde Männer auf Baustellen und Plantagen bis zum Umfallen schuften, sich wirklich als fortschrittlich und modern bezeichnen? Kann eine Gesellschaft, in der Du selbst im tiefsten Winter Tomaten kaufen und T-Shirts für wenige Euro in Shops erstehen kannst, sich wirklich keine Gedanken um den Grund dieser Geschehnisse machen?

Prostitution in Deutschland und überall auf der Welt ist nur die Spitze des Eisbergs, der sichtbarste Teil der illegalen Menschenhändler-Aktionen. Jungen Mädchen oder Frauen, meist aus Osteuropa, wird unter Vorspielen falscher Tatsachen oft eine bessere Zukunft in Deutschland oder anderen Industrieländern versprochen. Eltern verkaufen ihre Kinder oft nichtsahnend – auch ihnen wird viel Geld und eine bessere Zukunft für ihre Zöglinge versprochen. Im Bestimmungsland angekommen, wird fast die Hälfte der Menschen, die als Ware gehandelt werden, in die Sexindustrie verkauft und zur Prostitution gezwungen.

Eine weitere große Einkommensquelle der Schleuser und Händler ist die Landwirtschaft – v.a. in Spanien und Süditalien werden viele Menschen aus armen Ländern in die Zwangsarbeit in der Landwirtschaft gezwungen, meist auf Tomatenplantagen. Ohne Pass und Aufenthaltsgenehmigung wird ihnen ein karger Lohn geboten, den Rest streichen die Händler ein.

Sicherheitsbestimmungen, faire Lohn- und Arbeitsbedingungen und eine Behandlung gemäß den Menschenrechten sind den Händlern meist ein Fremdwort. Wie oft hast Du in der Zeitung gelesen oder in den Nachrichten gehört, dass ein Auto gecrasht wurde, ein Boot unterging oder ein LKW voll erstickter Flüchtlinge gefunden wurde? Das sind meistens die Ergebnisse der ganz und gar nicht umsichtigen Verhaltensweise von Ausbeutern, die einzig und allein Profit und Gewinn sehen. Für sie sind die Menschen, die sie verkaufen, wirklich nicht mehr als eine Art von „Ware“, die sie auf den Markt bringen und gewinnbringend „verscherbeln“ müssen.

Auch die momentane Flüchtlingskrise, die seit einigen Jahren die ganze Welt beschäftigt, wird teilweise von Ausbeutern und Schleusern geleitet und am Leben erhalten: Sie handeln mit dem Leben von Flüchtlingen, die meist aus den ärmsten Ländern Afrikas fliehen und nach Europa wollen, um dem Krieg oder der fehlenden Zukunft zu entkommen. Ohne Pass, Geld und eine Zukunft werden sie wie Ware behandelt und in die EU geschleust. Dort werden auch diese oft zu Arbeit bei einem Minimallohn gezwungen, zum organisierten Betteln oder in die Prostitution geschickt. Sinkt dann und wann ein Schiff oder schaffen es nicht alle durch die gleißende Hitze der Wüste, wird das nun mal als Verlustquote einkalkuliert – es gab einfach einige Komplikationen beim Transport der „Ware“.

Gewinnbringend ist auch der Handel nicht mit dem gesamten Menschen als „Ware“, sondern mit seinen Organen. Der Mangel an Spenderorganen in der gesamten Welt und die Bereitschaft, viel Geld dafür zu bezahlen, bilden einen hervorragenden Nährboden für das Wachstum dieses blutigen Geschäfts. Viele Häftlinge oder Flüchtlinge werden regelrecht verstümmelt. Täuschung und Verzweiflung armer Menschen sind meistens die Hauptmotoren für den illegalen Organhandel. 

Daten, Fakten & Kosten im Business mit dem menschlichen Leben

Die „Hot Spots“ der Menschenhändler sind meist reiche, westliche Industrieländer. Meistens werden die Opfer aus armen Ländern über Grenzen hinweg verschleppt, bis sie in einem reicheren Land verkauft, ausgebeutet und zur Arbeit gezwungen werden. Doch, auch wenn Du es vielleicht nicht erwartet hättest: Europäische Länder sind nicht nur Bestimmungsland, sondern immer öfters auch Startpunkt, von welchem aus die Händler ihre „Ware“ weiterverkaufen.

Als Herkunftsländer der menschlichen Ware, die meist ohne Pass und ohne Menschenrechte in ein neues Land verschafft wird, gelten vor allem Südostasien und der Osten Europas. Ein Großteil der Opfer sind junge Frauen bzw. Mädchen, die nichtsahnend in die Sexindustrie schlittern und zur Prostitution gezwungen werden – ein Teufelskreis, aus dem das Ausbrechen fast unmöglich ist.

Drehkreuze wie Südostasien und Osteuropa, aber auch westliche Länder spielen mittlerweile eine Rolle im Business: Insgesamt werden die jährlichen Gewinne durch den Menschenhandel weltweit auf ca. 32 Milliarden US Dollar geschätzt. Mindestens zweieinhalb Millionen Menschen müssen dafür jedes Jahr ihre Freiheit und oftmals sogar ihr Leben opfern.

Die Gewinne für die Händler sind hoch, doch ein einzelnes Menschenleben ist in den meisten Herkunftsländern sehr wenig wert: Du kannst es Dir vielleicht gar nicht vorstellen, aber Kinder und junge Mädchen werden oft schon für zwanzig bis dreißig Euro von der Familie in die Hände Fremder gegeben, die sich später als Ausbeuter herausstellen, und verdienen nur wenige Euro am Tag. Die vielen Milliarden Dollar Gewinn streichen die Organisatoren dieser Ausbeutungen dann durch Lohnabzüge, Weiterverkauf von Menschen oder Organen, Prostitutions-Gagen und vieles mehr ein.

Menschenrechte: Die Würde des Menschen ist unantastbar

Menschenrechte stehen jedem Menschen zu – völlig egal, welcher Nationalität er angehört, wie sein Kontostand aussieht oder wie alt er ist. Diese Rechte haben somit einen universellen Anspruch in der Gesellschaft und können keinem Individuum abgesprochen werden. Da die Einhaltung der Menschenrechte essentiell für die Aufrechterhaltung der menschlichen Würde ist, sind sie meist im Grundrecht der Gesetzgebung eines jeden Landes schriftlich verankert.

Zu den Menschenrechten gehört in Deutschland neben dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, der den Schutz vor Körperstrafen, Menschenversuchen, Folter und Zwangssterilisation sowie -kastration umfasst, auch das Recht auf Freiheit, Sicherheit und Eigentum. Hierzu zählt die Religionsfreiheit sowie auch die Reise-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit. Ebenfalls die Privatsphäre ist hierbei bedacht. Außerdem hat jeder Mensch einen Rechtsschutz, sodass ihm ein faires Verfahren zusteht, das gemäß Unschuldsvermutung bei Mangel an Beweisen zu einem Freispruch führt. Hinzu kommen unter anderem das Recht auf Gleichberechtigung, auf eine angemessene Entlohnung sowie Bildung.

Wenn Du nun jedoch denkst, die im Gesetzbuch verankerten Menschenrechte würden dem Menschenhandel in Deutschland einen Riegel vorschieben, irrst Du Dich leider. Auch in Deutschland kommt es immer wieder dazu, dass Menschen entgegen ihrer eigentlich geltenden Menschenrechte wie Vieh verkauft werden. Der Menschenhandel floriert also auch hierzulande.

Auf den Spuren des Menschenhandels in Deutschland

Wer denkt, er bliebe in einem Land wie Deutschland vor der schrecklichen Wahrheit des Menschenhandels verschont, der täuscht sich: Jedes Jahr werden allein in Deutschland mehr als 500 Fälle von Zwangsprostitution verzeichnet – ganz zu schweigen von der Dunkelziffer und von anderen illegalen Machenschaften der Ausbeuter. Das Geschäft ist lukrativ, birgt recht wenig Risiko und die Hintermänner haben unzählige Tricks, die es zu einem Kinderspiel machen, Menschen in die Fänge der modernen Sklaverei zu treiben.

Oft sind es reiche Familien, die aus ihrem Heimatland eine „Haushaltshilfe“ mitbringen – die zu einem Hungerlohn schuften kann und praktisch im Besitz des Familienoberhaupts ist. Oder hast Du nicht auch des Öfteren junge, ausländische Männer gesehen, die eine ältere, europäische Frau umworben haben? Meist sind das bekannte Strategien, um Frauen und Männer in eine Position der Abhängigkeit zu treiben und sie dort zu halten. Die Tricks und Täuschungen sind meist sehr ähnlich und auch die Schicksale gleichen sich irgendwie alle – aus einem armen Land in ein reiches, mit Versprechungen und Lügen um den Finger gewickelt und am Ende ausgebeutet zum Vorteil sehr weniger Machthaber.

Auch auf Menschenrechte oder eine faire Behandlung der verkauften „Ware“ wird in Deutschland genauso wenig Wert gelegt, wie in den mehr oder weniger fernen Herkunfts- oder Transitländern. Auch Gewalt prägt das Leben dieser Menschen, aus oft schon schlimmen Bedingungen gelangen sie in immer schlimmere, bis ein Ausweg ohne Hilfe der Behörden fast unmöglich scheint. Ohne Aufenthaltsgenehmigung, Geld und Dokumente trauen sich viele der modernen Sklaven und Sklavinnen nicht, zur Polizei zu gehen oder die Schleuser anzuzeigen. Viele nehmen die Situation auch in Kauf, um ihre Familie im Herkunftsland zu unterstützen und wenigstens ein wenig Geld zu verdienen – auch wenn die Arbeiter selbst nur einen Bruchteil vom eigentlichen Lohn erhalten und das wirkliche Geschäft von den Ausbeutern gemacht wird. Oft müssen Zwangsarbeiter und -prostituierte auch erst jahrelang Geld bei den Menschenhändlern abarbeiten, das sie ihnen für den Transport, die Reise oder andere Kosten schulden. Die Hintermänner der Machenschaften sorgen dafür, dass die Opfer immer mehr in ihr Netz aus Täuschungen, Schulden und Drohungen geraten und kaum einen Ausweg finden können.

Vor allem der Zweig der Prostitution ist in Deutschland sehr ausgeprägt, denn seit 2016 gibt es ein neues Gesetz, mit dem Deutschland eines der wenigen Länder ist, in denen Prostitution grundsätzlich (unter gewissen Bedingungen) legal ist. Dies öffnet den Ausbeutern regelrecht die Türen, denn der Handel mit dem Körper junger Frauen boomt – der Markt verlangt stets nach neuer „Ware“. Und das Bild des reichen Deutschlands lockt unzählige junge Frauen und andere Zwangsarbeiter an – sie begeben sich in die „vertrauenswürdigen“ Hände der Organisatoren, um hoffnungsvoll in ein besseres Leben zu starten. Dass es so gar nicht das ist, was sie sich erhofft haben, merken sie meist erst, wenn es schon zu spät ist: Wenn sie in Deutschland oder einem anderen Land, weit weg von zu Hause, ohne Geld und Papiere, ohne Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur Familie oder dem Herkunftsland und mit Angst vor den großen Bosses sitzen und die Realität sehen – und Du sie schließlich auf der Straße siehst.

Beiträge der gleichen Kategorie

Wahre Fälle

Drogenkonsum am Rande der Gesellschaft- 5 Must Knows über die gefährlichen Substanzen
Was hat es mit Drogen auf sich und was macht sie so gefährlich? Das und viel mehr kannst Du hier erfahren!

Wahre Fälle

True Crime – die spektakulärsten Fälle unserer Zeit
Wir haben für Dich die düstersten True Crime Fälle rausgesucht. Mehr dazu erfährst Du hier!