Cosy Crime

Krimi-Empfehlungen: The Girl – Ein tödlicher Sommer

Im Leben einer Lektorin gibt es ein paar Entdeckungen, die man zu lesen beginnt und einfach nicht mehr aufhören kann. Oft kann man nicht einmal genau sagen, warum einem nun dieses Projekt so nahegeht und ein anderes nicht. Tatsache ist aber, dass man weiß, wenn es passiert. Zuletzt hatte ich dieses Gefühl bei Anna Yorcks Kriminaldebüt „The Girl – Ein tödlicher Sommer“. Schon der Einstieg in diesen atmosphärisch sehr dichten Roman hat mich beim ersten Lesen völlig in den Bann gezogen.

„In jenem Sommer 1983 war etwas aus den Fugen geraten. Es war nicht nur diese brutale Hitze, die den Süden der USA lähmte; diese glühende Luft, die sich vom Landesinneren bis an die Ostküste ausbreitete, sich wie ein klebriger Film über die Wolkenkratzer von New York legte und ihr Netz bis an die Westküste spann, wo Orangenbaumplantagen in Staubwirbeln versanken; diese Trockenheit, die grüne Wälder in raschelnde Papierwüsten verwandelte.“

Anna Yorck entführt uns an einen Ort, der von der Hitze gelähmt ist. Ein Ort, an dem die Zeit stillsteht, ja, stillstehen muss, weil jede Bewegung in diesem heißen Sommer zu viel ist. Die beiden Freundinnen Macy und Shailene tun das einzige, was Teenager in ihrer Welt in South Carolina machen können: Sie verbringen die Tage damit, Jungs hinterherzuschmachten, und leben für die Nächte, in denen sie von Party zu Party tingeln und ihre Jugend genießen. Doch es ist eine zweifelhafte Idylle, denn die Unbeschwertheit der Mädchen wird von familiären und finanziellen Problemen überschattet. Gleichzeitig stellen Geheimnisse ihre eigentlich so enge Freundschaft auf eine harte Probe.

Der heiße Alltagstrott wird unterbrochen, als eine Studentin spurlos verschwindet. Die Polizei geht sofort davon aus, dass sie einem gesuchten Serienmörder, dem Kentucky Highway Killer, zum Opfer gefallen ist. Aus Langeweile beteiligen sich die beiden Mädchen an der Suche, bis eines Tages auch noch Macys Mutter wie vom Erdboden verschluckt ist. Dieses Ereignis stellt einen weiteren Bruch in dem relativ fragilen Leben der Mädchen dar. Und während sie sich auf die Suche nach Macys Mutter machen, ahnen sie nicht, dass sie dem Täter deutlich näher sind, als ihnen guttut.

Anna Yorck ist mit „The Girl“ ein spannender Krimi gelungen, der jedoch so viel mehr ist als nur ein Whodunnit. Es ist gleichzeitig eine Coming-of-Age-Geschichte von zwei Teenagern im South Carolina der frühen 80er Jahre, die Geschichte einer Freundschaft im Wandel zwischen Orientierungslosigkeit und persönlicher Wertfindung. Sprachlich und atmosphärisch intensiv schildert die Autorin einen Sommer, in dem nichts ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint, und jeder auf irgendeine Art verdächtig ist.

„Es war der Sommer der Schlangen, der gewaltigen Hitze, der Nightcrawler und des Kentucky Highway Killers, der junge Frauen ermordete und dann im Schatten der Wälder versteckte, um sich die Püppchen für eine spätere Gelegenheit aufzuheben.“

Meine Buchempfehlung des heißen Sommers ist deswegen auf jeden Fall Anna Yorcks „The Girl – ein tödlicher Sommer“.

Eure Kathinka 

„The Girl – Ein tödlicher Sommer“ von Anna Yorck

Ein heißer Sommer in South Carolina, zwei beste Freundinnen zwischen Partys und Flirts - und ein Serienmörder, der sein Unwesen treibt. Macy und Shailene genießen die Sommerferien und spielen nach dem Verschwinden einer Studentin ein wenig Detektiv. Doch sie nehmen die Sache zu ernst und als Macys Mutter verschwindet, stecken die Freundinnen viel tiefer in einem grausigen Kriminalfall, als ihnen lieb ist.

Ein eindringliches, atmosphärisches Debüt der Autorin Anna Yorck!

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