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Regiokrimi

Geiselnahme: 5 spektakuläre Fälle

In diesem Artikel findet ihr mehrere Beispiele aufsehenerregender Geiselnahmen, welche auch vor den hohen Alpen keinen Halt machen.

Die spektakulärsten Geisel-Fälle unserer Zeit

Zusammengepferchte Menschen, die in einem Raum kauern, bewaffnete Verbrecher und ein großes Polizeigebot außerhalb des Gebäudes. Geiselnahmen sind heutzutage leider immer noch ein beliebtes Mittel von Terroristen und Verbrecher um ihre Forderungen durchzusetzen. Viele Geiselnahmen sind nicht lange vorher geplant, sondern eine spontane Entscheidung beispielsweise nach einem misslungenen Banküberfall. Hier findet ihr eine Liste mit den spektakulärsten Geiselnahmen der letzten 100 Jahre.

1. Das Münchner Olympia-Attentat

Eine der bekanntesten Geiselnahme gab es am 5. September 1972 in München, wo Terroristen der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ in das olympische Dorf eindrangen und die israelische Delegation als Geiseln nahmen. Zwei der israelischen Sportler starben bereits während des Angriffs. Mit den übrigen Neun versuchten die Geiselnehmer zunächst über 230 Menschen freizuerpressen darunter die RAF-Mitglieder Ulrike Meinhof und Andreas Baader. Der Großteil der Gefangenen waren jedoch Palästinenser, die sich in israelischer Haft befanden. Die damalige israelische Ministerpräsidentin und ihre Regierung lehnten sämtliche Forderungen der Terroristen ab. Daraufhin beschloss die deutsche Polizei scheinbar auf die Forderungen der Terroristen einzugehen, da die Lage der Geiselnahme inzwischen ausweglos war. Im Vorfeld hatten die Terroristen bereits aus dem Radio erfahren, dass die deutsche Polizei mit einem Großaufgebot angerückt war. Man hatte schlicht und einfach vergessen, den Strom für das besetzte Gebäude abzustellen. Zudem konnten die Terroristen vom Balkon aus Polizisten sehen, die versucht hatten sich als Sportler zu verkleiden, um näher an das Gebäude heranzurücken.

Die Terroristen wurden mit den Geiseln in Hubschraubern zu einem Flughafen ausgeflogen. Dort sollten sie in ein Flugzeug steigen, welches sie nach Kairo bringen würde. Insgeheim plante die deutsche Polizei die Geiselnahme auf dem Flugfeld zu beenden. Dafür wurde die Besatzung des Flugzeugs durch verkleidete Polizisten ersetzt und Scharfschützen in Position gebracht. Allerdings waren diese schlecht ausgestattet und ausgebildet. Als den verkleideten Streifenpolizisten klar wurde, dass sie es nicht schaffen würde, die Terroristen zu überwältigen zogen sie sich eigenmächtig vom Flugzeug zurück. Die Terroristen bemerkten bei ihrer Ankunft, dass das Flugzeug keine Besatzung hatte. Als zwei von ihnen wieder zum Hubschrauber liefen, eröffnete die Polizei das Feuer. Im allgemeinen Chaos wurde einer der Scharfschützen und einer der Hubschrauberpiloten von der eintreffenden Polizeiverstärkung angeschossen. Denn die neu eingetroffenen Beamten kannten die Positionen ihrer eigenen Leute nicht. Beim Anblick der gepanzerten Fahrzeuge wurden den Terroristen bewusst, dass ihre Lage aussichtslos war. Deshalb beschlossen diese, sämtliche Geiseln umzubringen und einen Ausbruchversuch zu starten. Am Ende gelang keinem die Flucht und am Ende waren fünf von ihnen tot und drei in Polizeigewahrsam.

Die Geiselnahme endete in einer Katastrophe. Alle Geiseln waren tot, zwei starben beim Angriff auf das olympische Dorf, vier wurden im Kugelhagel auf dem Flugfeld getötet und die letzten fünf verbrannten bei lebendigem Leibe, als eine Phosphorgranate unter dem zweiten Helikopter explodierte. Die deutsche Polizei war komplett unvorbereitet auf solche Situationen, weshalb daraufhin die GSG9 gegründet wurde die sich genau darauf spezialisieren sollte. Die drei überlebenden Terroristen wurden für den Anschlag nie vor Gericht gestellt. Denn wenig später wurden sie von einer weiteren Gruppe Terroristen freigepresst, welche die Lufthansa Maschine „Kiel“ entführt hatten. Der israelische Geheimdienst startete nach der Geiselnahme die Operation „Zorn Gottes“. In den folgenden 20 Jahren wurden dutzende Drahtzieher und Beteiligte der Geiselnahme ausfindig gemacht und umgebracht. Es fielen ihr aber auch viele Unbeteiligte zum Opfer.

2. Die Entführung der „Landshut“

Am 13. Oktober 1977 wurde die Lufthansa-Maschine "Landshut" auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt von vier Terroristen entführt. Die Terroristen der PFLP () brachten 91 Menschen in ihre Gewalt mit Waffen, die sie vorher in Kosmetikkoffern und einem Radio versteckt hatten. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung von elf deutschen RAF-Terroristen, 2 Anhängern aus türkischer Haft und 15 Millionen US-Dollar in bar. Die Maschine wurde zunächst aus dem französischen Luftraum entführt und nach Zypern umgeleitet. Aufgrund von Treibstoffmangel musste das Flugzeug in Rom zwischenlanden. Ein Versuch die Geiselnehmer zur Aufgabe zu überreden scheiterte. Das Flugzeug flog daraufhin nach dem Auftanken nach Dubai weiter. Dort stand es für drei Tage auf dem Flugfeld in der prallen Sonne. Die Klimaanlage an Bord fiel aus und Entführer wie Geiseln mussten in der brütend heißen Maschine ausharren. Ein erster Versuch die Maschine mit der GSG9 wurde abgebrochen, nachdem die Terroristen drohten den Flugkapitän zu erschießen. Daraufhin wurde die Maschine wieder aufgetankt und flog nach Oman weiter.

Allerdings verweigerte der Oman die Landeerlaubnis und das Flugzeug musste weiter nach Aden im heutigen Jemen fliegen. Die dortige Regierung ließ jedoch alle Flughäfen sperren, wodurch die Piloten gezwungen waren aufgrund von Treibstoffmangel in einem Sandfeld neben der Flugbahn notzulanden. Dem Kapitän Jürgen Schumann wurde erlaubt das Flugzeug zu verlassen, um mögliche Schäden am Rumpf und Fahrwerk zu inspizieren. Als er jedoch nach einer Stunde zurückkehrte, schossen ihm die Terroristen in den Kopf, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Das Flugzeug wurde erneut aufgetankt und hob in Richtung Mogadischu ab. Nach der Landung entsorgten sie die Leiche des Piloten mit einer Notrutsche nach außen. Es stand nun fest, dass die Maschine kein weiteres Land mehr ansteuern konnte.

Die Geiselnahme drohte daraufhin blutig zu enden. Die Terroristen übergossen die Geiseln mit Alkohol und bereiteten die Sprengung des Flugzeugs vor. Um ein Fiasko wie beim Münchner Attentat zu verhindern, täuschte man zunächst vor auf die Forderungen einzugehen. Dies beschaffte den Verhandlungsführern Zeit, um das Team der GSG9, welche in einem Flugzeug mitgereist waren, in Position zu bringen. Das Flugzeug wurde erfolgreich gestürmt und dabei drei der vier Terroristen getötet. Diese erfolgreiche Befreiungsaktion war die Feuertaufe für die GSG9, welche erst vor fünf Jahren für Geiselnahmen und ähnlichen Situationen gegründet wurde. Infolge dessen begingen mehrere RAF-Mitglieder in Haft Selbstmord. Zudem wurde der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer von der RAF ermordet. Die Entführung der „Landshut“ wird heute noch als eines der Paradebeispiele für eine Geiselnahme mit gelungener Befreiung genannt.

3. Die Geiselnahme von Beslan

Es war einer der dunkelsten Tage von Russland. Am 3. September 2004 endete die Geiselnahme in einer Schule im russischen Beslan. Über 330 Geiseln waren tot, die meisten davon Kinder. 29 Geiselnehmer waren tot und es konnte nur einer lebendig festgenommen werden.

Die islamistischen Rebellen stürmten am 1. September 2004 schwer bewaffnet die Schule und nahmen über 1100 Menschen als Geiseln. Sie sperrten diese in der Turnhalle der Schule ein und drohten mit der Hinrichtung von 50 Geiseln für jeden getöteten Entführer. Die Angreifer forderten die Freilassung von tschetschenischen Terroristen, den Abzug aller russischen Truppen aus Tschetschenien und den Rücktritt Präsident Putins. Das Gebäude wurde zwar relativ schnell umstellt, jedoch führten Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen der Polizei und diversen Armeeeinheiten dazu, dass die Abriegelung nicht sachgemäß erfolgte. Die russische Regierung verzichtete zunächst auf eine Stürmung, um die Leben der Geiseln zu schonen. Die Geiselnehmer lehnten sämtliche Wasser und Lebensmittellieferungen ab, wodurch die Geiseln teilweise dazu gezwungen waren ihren eigenen Urin zu trinken. Der Schulleiter starb an seinem Diabetes, da das benötigte Insulin von den Geiselnehmern abgelehnt wurde. Die Situation der Geiselnahme schien sich zunächst zu entspannen. Am darauffolgenden Tag wurden im Zuge der Verhandlungen 26 Geiseln freigelassen.

Am 3. September einigten sich beide Parteien auf einen Abtransport der Leichen auf dem Schulgelände. Aus ungeklärten Gründen kam es zu einer Explosion, worauf es einigen Geiseln gelang zu fliehen. Daraufhin eröffneten die Terroristen das Feuer. Die russische Armee erwiderte wiederum mit Panzern und Raketenwerfern. Durch den Beschuss der schweren Waffen stürzte das Dach der Sporthalle ein und begrub über 300 Menschen unter sich. Bis zum Nachmittag hin dauerten die Kämpfe an. Mit über 330 Toten und 700 Verletzten gilt die Geiselnahme von Beslan als einer der blutigsten in der Geschichte. Eine der Gründe für die unkoordinierte Befreiungsaktion war die Uneinigkeit der Kommandeure der verschiedenen Armeeeinheiten. Diese waren sich nämlich nicht einig, wer das Oberkommando übernehmen sollte.

4. Geiselnahme in den Alpen

Kurz vorm Ende des 2. Weltkriegs verlegte die SS wichtige Gefangene von Konzentrationslagern in sog. „Alpenfestungen“. Unter den Gefangenen befanden sich u.a. der ehemalige Kanzler Österreichs mitsamt Familie, der ehemalige Bürgermeister Wiens, ein früherer französischer Ministerpräsident und der Oberbefehlshaber des griechischen Heeres. Nachdem die Geiseln bei einem Zwischenstopp bei den Wachen gelauscht hatten, gelang es einem Gefangenen mit der deutschen Heeresgruppe C Kontakt aufzunehmen. Er erbat um sofortige Hilfe, da die Gefangenen nicht in die Hände der Amerikaner fallen sollten, bevor diese die Alpen und Südtirol komplett besetzten. Einer der Oberbefehlshaber entschloss sich daraufhin für eine Befreiungsaktion, bevor die Geiseln hingerichtet werden konnten. Hauptmann Alvensleben rückte zunächst mit gerade einmal 15 Soldaten an. Dies blieb jedoch ohne Erfolg, da die SS den Wehrmachtssoldaten immer noch zahlenmäßig überlegen waren. Erst als 150 weitere Soldaten anrückten, konnten der die Geiselnehmer überredet zum Abzug bewegen. Die Reise der der Gefangenen ging danach noch einige Tage weiter. Erst Mitte Mai 1945 endete die unfreiwillige Reise der Gefangenen durch die Alpen. Alle unbelasteten Gefangenen wurden freigelassen, während einige wenige für weitere Befragungen in den Alpen festgesetzt wurden. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass amerikanische Truppen Teil der Befreiungsaktion waren. Allerdings kamen amerikanische Truppen erst am 4. Mai 1945 ein, als die SS-Wachen bereits weit weg waren.

5. Ein aktuelles Beispiel einer Geiselnahme

Bei der Geiselnahme in Frankreich am 23. März 2018 stürmte ein bewaffneter Islamist einen Supermarkt im südfranzösischen, erschoss zwei Menschen und nahm mehrere Geiseln. Zuvor hatte er bereits in einer anderen Stadt einen Menschen getötet und zwei verletzt. Der Terrorist forderte die Freilassung von Salah Abdeslam, dem letzten Überlebenden der Pariser Anschläge von 2015. Ein hochdekorierter französischer Polizist bot sich als Geisel an und konnte so eine der Geiseln eintauschen. Aus noch ungeklärten Gründen schoss der Geiselnehmer auf den Polizisten und verletzte ihn schwer. Die Polizei stürmte daraufhin das Gebäude und erschoss den Geiselnehmer. Der Täter hatte sich wie zuvor bei anderen islamistischen Anschlägen zur Terrororganisation IS bekannt. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu blutigen Anschlägen in Frankreich und das Land befindet sich seitdem im Ausnahmezustand. Ein Ende scheint nicht in Sicht, weshalb sich die Franzosen und auch andere europäische Länder auf weitere Anschläge einstellen müssen.

Geiselnahmen in der Literatur

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