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Kreuzverhör

Ein Interview mit Christian Boochs

Wir haben Autor Christian Boochs zu seinem Werk "Mutterblut" befragt und unter anderem erfahren, wie er zu der Idee seines Täters kam. 

Über den Autor

Christian Boochs, geboren 1977, glaubt an Reinkarnation und den Sith-Kodex. Nach dem Abitur trat er seinen Wehrdienst an und wurde Zeitsoldat. Nach dem Ende seiner Militärlaufbahn absolvierte er eine Ausbildung zum Werbetexter, arbeitete als Trainer für Menschen mit Hund.
Das Erzählen von Geschichten gehörte zwar immer irgendwie dazu, zum Schreiben von Romanen kam er allerdings erst recht spät. Erfahrungen aus unterschiedlichsten Tätigkeiten und die Faszination für menschliche Abgründe prägen seine Arbeit als Autor.

Was lesen Sie in Ihrer Freizeit?

Beim Lesen schwingt das Berufliche immer mit, also lese ich vieles, das zur Recherche beiträgt. Sachbücher, Biografien. Natürlich ist der eine oder andere Thriller dabei. Aber eigentlich bin ich nur Thrillerautor geworden, um meinen Konsum von Serienmörderbiografien rechtfertigen zu können.

Recherche scheint ja für viele AutorInnen eher ein notwendiges Übel zu sein. Für mich ist es der beste Ideengeber. Der Rest läuft dann fast von selbst ab. »Mutterblut« fing letztlich auch so an. Ich weiß nicht mehr genau, welches es war, aber die erste Idee dazu kam beim Lesen eines dieser »Profilerbücher«. Ich liebe diesen Kram. Auf der anderen Seite sind diese realen Geschichten oft wesentlich seltsamer, als die Fiktion sein darf. Wenn man beispielsweise die Story von Ted Bundy anschaut: Die ist teilweise haarsträubend. Kurz gesagt: Bundy war ein Serienmörder, der durch routinemäßige Verkehrskontrollen gefasst wurde und mehrfach flüchtete, unter anderem ist er bei einem Gerichtstermin aus dem Fenster gesprungen. Wollte ich das in einen Thriller packen, würde mir wohl jeder den Vogel zeigen. Obwohl ... vielleicht ja nicht.

Was ist das Schönste am Autorenleben?

Die Möglichkeit zu haben, LeserInnen zu bewegen. Sie zum Weinen zu bringen, zum Lachen, zum Schreien, zum Fluchen.
Und zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch mal vom Bett aus arbeiten zu können.

Ich muss mich nicht an Bürozeiten halten. Niemand schaut, ob ich am Montag später anfange oder am Freitag früher gehe, so lange ich mein Pensum schaffe. Das ist auch manchmal hart und manches Mal geht dieser Samstag oder jener Sonntag für die Arbeit drauf. Aber letztlich betrachte ich es als Privileg, diese Freiheiten zu haben – so hart und manchmal auch unbefriedigend dieses Autorenleben auch sein kann.

Welche Elemente flossen in die Figurengestaltung ein?

Die meisten Serienmördergeschichten zeigen einen Täter, der nahezu grenzgenial ist. Manchmal ertappt man sich dabei, dass man ihn sogar auf eine seltsame Art bewundert. Ich wollte einen Täter haben, der Anfänger ist, Fehler macht. Einen, der auch mal nervös wird. Und er sollte keineswegs bewundernswert sein.

Das ist etwas, was sich durch all meine Geschichten zieht. Ich habe da keinen Baukasten, nutze keine dieser wahnsinnig beliebten Steckbriefe für Figuren. Wirklich erklärbar ist der Prozess nicht. Im Wesentlichen sind die Figuren einfach da, sie sind menschlich, was auch bedeuten kann, dass sie unter Stress irrational handeln. Es ist nicht so leicht, es so darzustellen, dass es auch nachvollziehbar bleibt. Aber das ist letztlich der Reiz an der Sache. Die Figuren sind mir wichtiger als der Plot, weil Plot, also die Handlung, letztlich das ist, was passiert, wenn man die Figuren von der Leine lässt.

Was fiel Ihnen beim Schreiben besonders leicht/schwer?

Witzigerweise fielen mir eher alltägliche Momente, die Kollegen im Büro beispielsweise, schwerer als die, sagen wir, eher düsteren Szenen. Letztere fließen bei mir meist einfach. Oft muss ich da nicht einmal viel überarbeiten. Viele meiner »besten« Szenen, wenn man so will, sind dunkle Momente, die meist im Entwurf schon ganz gut gelingen. Ich glaube, da stecke ich einfach tiefer in der Figur und das liegt mir eher. Eine andere Erklärung habe ich nicht.

Wenn Sie Ihre eigene Hauptfigur wären, was würden Sie anders machen?

Ich glaube, ich würde defensiver vorgehen. Aber das wäre wahrscheinlich keine spannende Geschichte. Wobei ich mir da gar nicht sicher bin. Tunnelblick und Zielfixierung sind ja reale Phänomene, die ich bei mir auch schon wahrgenommen habe. Also, da würde ich nicht die Hand ins Feuer legen, dass ich so anders vorgehen würde. Aber eine Sache, die ich definitiv anders handhaben würde, ist das Beziehungswirrwarr der Hauptfigur. Ich kann ihn verstehen, denke, es ist menschlich, aber ich könnte so nicht leben.

Was wünschen Sie sich von der Buchwelt?

Mut und mehr Liebe für deutschsprachige AutorInnen. Ich denke, die Anforderungen von Verlagen an die AutorInnen und die Wünsche der LeserInnen gehen teilweise ziemlich auseinander. Da fühle ich mich manchmal zwischen allen Stühlen. Persönlich drängt sich mir manchmal der Eindruck auf, dass deutschsprachigen AutorInnen weniger Kompromisslosigkeit zugestanden wird, etwa bei der Wahl der Themen oder auch der Darstellung von Gewalt. Nicht, dass ich sonderlich erpicht darauf bin, besonders gewalttätige Bücher zu schreiben, aber es verwundert mich doch manchmal.

Was ist das Tolle an E-Books?

Sie nehmen keinen Regalplatz ein, passen in fast beliebiger Menge in die Hosentasche und sind meist nur ein paar Klicks entfernt. Einen Schrank mit zweitausend Büchern versetzt man nicht so eben. Einen Reader steckt man einfach ein. Und es gibt keinen Ärger mit verschwundenen Paketen. Wer den Geruch vermisst, kann sich ja immer noch ein Papierbuch daneben legen. Aber nur eins. Ernsthaft: Ich liebe E-Books, weil sie wahnsinnig praktisch sind und ich liebe Papierbücher, weil sie etwas Schönes sind. Aber E-Books sind in meinen Augen einfach zeitgemäßer.

Mutterblut

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Ein brutaler Serienkiller und ein Fall, der persönlich wird: Mordermittler Demski gerät in diesem haarsträubenden Thriller an seine Grenzen. Seit der spektakulären Festnahme eines Serienmörders vor fast zehn Jahren ist Mordermittler Torsten Demski in der Region als erfolgreicher Serienkillerjäger bekannt. Was man von außen jedoch nicht sieht: Er hat mit persönlichen Dämonen, chronischen Rückenschmerzen und Eheproblemen zu kämpfen. Als die grausam entstellte Leiche einer Schwangeren auftaucht, stürzt er sich daher kopfüber in die Ermittlungen, während seine Gesundheit leidet und er sich weiter und weiter von seiner Frau entfremdet. Zusammen mit seinem Partner Frank Theißen und seinem Team muss er den wahnsinnigen Täter schnappen, bevor dieser erneut zuschlägt. Denn wenn Demski den Mörder nicht aufhält, hört dieser mit dem Töten nicht mehr auf. Und das nächste Opfer ist bereits auserkoren ... »Mutterblut« von Christian Boochs ist ein eBook von Topkrimi – exciting eBooks. Das Zuhause für spannende, aufregende, nervenzerreißende Krimis und Thriller. Mehr eBooks findest du auf Facebook. Werde Teil unserer Community und entdecke jede Woche neue Fälle, Crime und Nervenkitzel zum Top-Preis!

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