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Kreuzverhör

Ein exklusives Interview mit Sebastian Fitzek

Wir haben auf der Leipziger Buchmesse Sebastian Fitzek getroffen und ihm Fragen rund um seine Thriller gestellt. Er verrät uns sogar ein Detail zu seinem neuen Buch "Das Geschenk". 

Wie vermeiden sie das "Schema F", so dass alle Ihre Bücher immer einzigartig sind und sich inhaltlich nicht wiederholen?

Ich versuche mich selbst zu überraschen. Ein guter Tipp, den ich früher selbst bekommen habe ist, das Buch nicht zu sehr durchzuplanen. Ich habe immer einen groben Rahmen und weiß fast immer, wie die Handlung ausgeht und wie die Figuren sich verhalten werden. Aber spätestens ab Seite achtzig haben die Figuren ihr Eigenleben und machen dann Dinge, wo ich nur noch der Beobachter und dann selbst überrascht bin.

Manchmal bin ich auch in Situationen, in denen ich eine Schreibblockade habe und mich frage, wie ich die Figuren wieder aus einer Situation rausbekommen soll. Ich glaube die Wahrscheinlichkeit, dass ein Buch einzigartig wird, ist hoch wenn man sich beim Schreiben noch selbst überrascht und sich nicht mit der allerersten Wendung zufrieden gibt. Die Hauptsache ist aber, dass man eigenständige Figuren entwickelt und dicht bei den Figuren bleibt. Es kann sein, dass es einen ähnlich Plot bereits gab, aber die einzelnen Figuren, die man schafft sind in der Regel einzigartig. So ist die Chance hoch, dass auch das Buch nicht nach "Schema F" abläuft.

Wie behalten Sie den Überblick über ihre ganzen Figuren?

Ich setze mir einen Zeitraum über vier Monate, in denen ich den ersten Entwurf schreibe. In diesen vier Monaten darf es keine Ablenkungen geben. Von außen betrachtet sind das langweilige vier Monate, für mich sind sie aber sehr ereignisreich. Ich informiere dann immer alle Leute in meinem engsten Bekanntenkreis darüber, dass es sein kann, dass ich nicht zu einer Geburtstagsfeier um 18 Uhr komme. Es ist möglich, dass ich an diesem Tag um 18 Uhr schon fertig bin, es kann aber auch sein, dass mich die Muse erst um 17 Uhr küsst. Wichtig ist, dass ich jeden Tag schreibe, egal was zwischen diese Tage fällt. Ich muss auch immer Zeit haben, alles was ich geschrieben habe, nochmal durchzulesen, und nicht nur das vom Vortag, damit man ein Gefühl dafür bekommt und dicht bei den Figuren ist. Wenn man gezwungen ist, das Buch neben seinem eigentlich Beruf zu schreiben, wie es eigentlich bei jedem Debüt ist, wird es schwierig den Überblick zu behalten. Dann kann es passieren, dass die Geschichte zerfasert.

Es gibt ja auch die Möglichkeit von Crossovern. Das bedeutet, dass die Figuren noch einmal in einem anderen Buch auftauchen können. Planen Sie solche Crossover von vornherein oder passiert das spontan?

Sowohl als auch. Wenn die Figur eine tragende Rolle hat, passiert das ganze schon auf Exposé-Basis. Ich kann schon verraten, dass in dem Werk, an dem ich gerade arbeite, ein Strafverteidiger an einer Stelle sehr relevant wird, was ich nicht geplant hatte. Dann dachte ich daran, dass Robert Stern in “Das Kind” schon sehr gute Arbeit geleistet hat, und so habe ich ihn wieder auferstehen lassen. Das war am Anfang nicht geplant, hat sich aber beim Schreiben entwickelt.

Haben sie immer Spaß beim Schreiben? Oder gibt es Tage, an denen Sie keine Lust haben zu schreiben, so wie es in jedem anderen Beruf auch mal vorkommt?

Ich würde es eher mit Sport vergleichen. Ich habe nicht immer Lust auf Sport und ab und zu braucht man Aktivierungsenergie. Diese Energie muss man irgendwo herholen. In meinem Fall ist es meistens eine Inspiration. Das kann ein gutes Buch sein oder auch ein guter Film, von dem man emotional berührt ist. Das motiviert einen, selbst auch etwas Emotionales schaffen zu wollen. Und dann ist es wie mit dem ersten Kilometer. Am Anfang fühlt man sich noch nicht sehr gut und würde am liebsten aufhören, aber dann überschreitet man einen Punkt und kommt in einen "Flow" und es macht richtig Spaß. Wenn man dann aus den Vollen schöpfen kann und selber merkt, dass sich alles zusammenfügt, ist das das schönste am Prozess des Schreibens.

Ich wäre ein Lügner, wenn ich behaupten würde, das Schreiben in jeder Phase Spaß macht. 

Fitzek-Bücher: Das sind die besten Thriller des deutschen Erfolgsautoren!

Was war die verrückteste Recherche, die sie bis jetzt hatten? Gab es Momente, die für Sie unvergesslich sind?

Unvergesslich war meine erste Begegnung mit Leichen, als ich zusammen mit Michael Tsokos “Abgeschnitten” geschrieben habe. Da war ich bei der Sektion von Leichen dabei. Zuerst war ich ein bisschen überfordert, da dort nicht nur ein oder zwei Leichen waren, sondern insgesamt zwölf in zwei verschiedenen Sälen. Die Leichen waren in allen möglichen Zuständen und auch der Geruch war unglaublich.

Dann passierte etwas, von dem ich sagen würde, dass es wie für einen Thriller-Autor inszeniert war. Bei einer Leiche war man sich zunächst einig, dass sie durch einen Unfall gestorben ist. Ein Alkoholiker, der zu viel getrunken hat und unglücklich mit dem Kopf auf die Heizung gefallen ist. Dann wollte man die äußere Leichenschau, zu der auch die Untersuchung der Kleidung gehört, schon abschließen, als man, während der Kopf noch untersucht wurde, einen Zettel in der Hosentasche fand, auf dem stand: “Sollte ich einen unnatürlichen Tod sterben, dann war es Person X aus meinem Nachbarhaus”. Dann wurde der Kopf rasiert und nochmal genauer angeschaut und dabei hat man festgestellt, dass es sich nicht um einen Unfall handelte. Ein halbes Jahr später habe ich herausgefunden, dass der Täter allerdings nicht der Nachbar war, den das Opfer genannt hat.

Das man einen Zettel in der Kleidung einer Leiche findet, der zur Aufklärung des Falles beiträgt, ist schon wie in einem Thriller. Das bestätigte die Theorie, das die verrücktestens, skurrilsten, tragischsten und grausamsten Geschichte, immer noch das Leben selbst schreibt.

Mit Michael Tsokos haben sie ja, wie eben schon erwähnt, bereits ein Buch geschrieben. Gibt es noch einen Autor, mit dem sie gerne ein Buch schreiben würden?

Es gibt wahnsinnig viele Autoren, die ich sehr schätze, aber bei mir entwickelt sich alles von der Idee her. Ich habe keine Strategie, bei der ich sage “Mit dem könnte es gut klappen.” Bei Michael Tsokos hat sich das auch so verhalten. Er hat mir von der Idee von einer ferngesteuerten Obduktion erzählt, die ich super fand. Und dann haben wir uns gegenseitig die Bällen zugeworfen, weil die Idee uns beide fasziniert hat. Deswegen kann ich jetzt keinen Autor nennen, weil ich mit keinem anderen Autor eine Idee habe.

Welche sind die Top 3 Bösewichte in ihren eigenen Büchern?

Das ist schwierig zu sagen, da mich die Opfer immer mehr interessieren als die Täter. 

Psst: 5 Fakten über Sebastian Fitzek, die Du noch nicht kanntest 

Der Insasse

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Zwei entsetzliche Kindermorde hat er bereits gestanden und die Berliner Polizei zu den grausam entstellten Leichen geführt. Doch jetzt schweigt der psychisch kranke Häftling Guido T. auf Anraten seiner Anwältin. Die Polizei ist sicher: Er ist auch der Entführer des sechsjährigen Max, der seit drei Monaten spurlos verschwunden ist. Die Ermittler haben jedoch keine belastbaren Beweise, nur Indizien. Und ohne die Aussage des Häftlings werden Max' Eltern keine Gewissheit haben und niemals Abschied von ihrem Sohn nehmen können.

Drei Monate nach dem Verschwinden von Max macht ein Ermittler der Mordkommission dem verzweifelten Vater ein unglaubliches Angebot: Er schleust ihn in das psychiatrische Gefängniskrankenhaus ein, in dessen Hochsicherheitstrakt Guido T. eingesperrt ist. Als falscher Patient, ausgestattet mit einer fingierten Krankenakte. Damit er dem Kindermörder so nahe wie nur irgend möglich ist und ihn zu einem Geständnis zwingen kann. Denn nichts ist schlimmer als die Ungewissheit. Dachte er. Bis er als Insasse die grausame Wahrheit erfährt...

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