Die Spiegel Bestsellerliste: Nie mehr Zeit mit schlechten Büchern vergeuden

Wer Bücher und das Lesen liebt und mal wieder nach neuem Lesefutter zum Verschlingen sucht, der ist bestens damit beraten, einmal einen Blick auf die Spiegel Bestsellerliste zu werfen. Dort sind nämlich all die Bücher zu finden, die momentan viel gekauft werden und große Aufmerksamkeit bekommen – wer also in der deutschen Literaturszene mitreden will, sollte möglichst immer „up to date“ damit sein, was auf den Bestsellerlisten gerade so vor sich geht. Die Listen sind kostenfrei auf der Internetseite des Magazins „Der Spiegel“ abrufbar, sodass man nicht gezwungen ist, die Printversion dessen zu kaufen, um sich zu informieren. 

Eine Tradition, die stetig weiterentwickelt wird

Schon 1961 veröffentlichte das Magazin „Der Spiegel“ erstmals seine Bestsellerliste, die anzeigte, welche Bücher aktuell den Markt bestimmten und somit indizierten, dass sie besonders lesenswert waren oder zumindest viel Gesprächsstoff boten. Seit damals ist viel passiert: die Listen wurden in Kategorien aufgeteilt und stetig um solche erweitert – mittlerweile repräsentieren die Spiegel Bestsellerlisten unter anderem die Kategorien Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbücher und viele kleinere Buchsparten. Relativ neu dabei sind auch Hörbuch und E-Books. Übrigens: Damit folgt der Spiegel dem gleichen Prinzip wie die New York Times Bestsellerliste, die die gleichen Infos über den amerikanischen Buchmarkt bietet wie die Spiegel Bestsellerliste es für den deutschsprachigen Raum tut.

Der Spiegel war aber natürlich nicht der Erfinder der Bestsellerlisten. Bereits 1895 entwarf die amerikanische Zeitschrift „The Bookman“ eine Liste mit Buch Bestsellern und prägte damit diesen Begriff, der aber in der ersten Dekade noch unbeachtet blieb. Auch wurde damals der Begriff Bestseller als aktive Marketingoption genutzt und Bücher schon vornherein als solche betitelt, um sie dann gezielt an den Mann zu bringen.

In Deutschland kam eine erste solche Liste erstmals 1927 in der Zeitschrift „Die literarische Welt“ auf, wurde aber vor allem vom Börsenblatt des deutschen Buchhandels harsch verurteilt und als „weitere Verengung und Verflachung des geistigen Lebens“ betitelt, wie Ernst Fischer in seinem Artikel „Bestseller in Geschichte und Gegenwart“ von 1999 berichtet. Diese negativen Auffassungen hatten vor allem mit der allgemeinen Angst vor der aufkommenden Massenkultur zu tun. Das Projekt wurde schnell wieder aufgegeben, und neue Versuche erst in den 60er Jahren wieder gestartet – was dem Spiegel in dieser Hinsicht zugutekam.

Der Grund, warum bei Buch Bestsellern neben der Genre-Splittung auch Unterscheidungen zwischen den Formaten gemacht werden, liegt hauptsächlich darin, dass ein Titel oftmals zuerst im Hardcover erscheint, und zeitversetzt – ca. ein halbes oder ein ganzes Jahr später – dann im Paperback- oder Taschenbuchformat. Manche Verlage vergeben für ihre Titel sogar Taschenbuchlizenzen an andere Verlage, die auf die meist günstigeren Formate spezialisiert sind. 

Sieger sind die Meistverkauften

Erstellt werden die Bestsellerlisten durch eine Datenerhebung im Buchhandel, die auf den Verkaufszahlen der einzelnen Titel beruht. Diese Datenerhebung wird seit 1971 von dem Dienstleister buchreport für den Spiegel übernommen. Wer sich über die Transparenz hinter dem Verfahren informieren will, ist an dieser Stelle gut aufgehoben. Denn man sollte sich bewusstmachen, dass die erhobenen Zahlen von den Abverkaufszahlen repräsentativ ausgewählter Buchhandlungen stammen – da jene aber in über 400 Filialen erhoben werden, lässt sich ein gutes Bild des aktuellen Buchmarktes bestimmen.

Das momentan meistverkaufte Buch der letzten Woche landet also auf Platz eins der Spiegel Bestsellerliste. Besonders interessant ist dies natürlich auch in der Weihnachtszeit, oder bei der Suche nach einem passenden Geburtstagsgeschenk – warum Bücher ein besonders gutes Geschenk abgeben, war in den Topkrimi Schlagzeilen ja bereits zu lesen. Wer nun aber so gar keine Ahnung hat, was er der Leseratte im Freundes- oder Familienkreis mitbringen könnte, der kann sich sicher sein, dass mit einem Buch Bestseller eine gute Chance besteht, dass man dem Beschenkten zumindest keine totale Schundliteratur schenkt.

Somit folgt die Spiegel Bestsellerliste also dem Prinzip der Qualitätskontrolle durch die Masse. Dadurch können auch Verlage und Buchhandlungen von den Bestsellerlisten profitieren, denn sie zeigen an, welche Genres und Themen momentan gut beim Leserpublikum ankommen. 

Krimis noch immer im Kommen

Einer der Trends, die man in den letzten Jahren den Bestsellerlisten mehr als deutlich entnehmen konnte, sind die Krimis. Spannende Geschichten rund um die Abgründe der Menschheit werden immer beliebter, und noch scheint diese Tendenz nicht in ihrem Zenit angekommen zu sein. Star-Autoren der Spannungsbranche aus Amerika, Skandinavien oder Deutschland schaffen es immer wieder bis ganz oben in die Bestsellerlisten. Ein Beispiel hierfür ist Don Winslow, dessen Büchern wir schon einmal einen eigenen Artikel gewidmet haben. Inzwischen gibt es ganze Reihen über interessante Ermittler, die mit Brillanz, Geschick und manchmal auch einer Prise Glück einen Mörder nach dem nächsten zu Fall bringen.

Woher dieser Erfolg kommt, ist schnell beantwortet. In der Krimiliteratur ist nämlich für jeden was dabei. Von historischen Verbrechen in ferner Vergangenheit über Detektivlektüre bis hin zum nervenaufreibenden Thriller gibt es für jeden Topf einen passenden Deckel. Die „Welt“ hat vor einigen Jahren bereits einen etwas zynischen Blick auf die Bandbreite an Motiven in Krimis geworfen, als die Autorin Elma Krekeler 2015 über kulinarische Krimis schrieb. Doch auch diese Sparte hat, wie sich im Laufe der folgenden Jahre zeigt, ihre Daseinsberechtigung und ihre Fans und treuen Leser.

Im Folgenden haben wir einige Beispiele für die Vielfalt der Sparte Kriminalromane für euch zusammengesucht.

5 Krimis, deren Themen unterschiedlicher nicht sein könnten

Die folgenden Kriminalromane und Thriller haben meist nur eines gemeinsam: sie sind unfassbar spannend und bringen den Leser dazu, Seite um Seite umzublättern und dem Ende entgegenzufiebern. Doch die behandelten Themen und Probleme sind alle im Kern grundverscheiden und zeigen, wie vielfältig die Spannungsliteratur sein kann.

1. Eisenberg

Einen fesselnden Politthriller voller unerwarteter Wendungen präsentiert Andreas Föhr mit seinem Roman „Eisenberg“. Darin lässt er seine beliebte gleichnamige Figur Rachel Eisenberg, die ebenso wie der Autor selbst als Rechtsanwältin fundierte rechtliche Kenntnisse besitzt, im Fall eines ehemaligen Geliebten ermitteln. Was ursprünglich nur Mittel zum Zweck für die Medienpräsenz ihrer Münchener Kanzlei werden sollte, verstrickt die Mutter einer 13-jährigen in einen komplizierten Mordfall, der sie erst das Mandat kostet, und schließlich dank ihres hartnäckigen Glaubens an die eigene Menschenkenntnis in eine komplexe Spurensuche verwickelt. Dabei zeichnet Föhr mit einer interessanten und recht ungewöhnlichen Protagonistin, die ihre eigenen Ecken und Kanten hat, und authentischen Dialogen eine bis zum Schluss undurchschaubare Geschichte, die zu einer kurzweiligen Lektüre einlädt.

Mit insgesamt 18 Platzierungen auf der Bestsellerliste ist Föhrs Roman „Eisenberg“ sogar knapp einen Monat nach seinem Erscheinungstermin im Mai 2016 bis auf Platz 2 in der Kategorie Taschenbuch Belletristik geklettert – ein hart umkämpftes Feld, auf dem der Autor Andras Föhr sich durch brillantes Geschichtenerzählen eine Platzierung absolut verdient hat.

2. AchtNacht

Der Name Sebastian Fitzek ist aus der deutschsprachigen Kriminal- und Spannungsliteratur nicht mehr wegzudenken. Immer wieder findet man ihn ganz oben auf der Spiegel Bestsellerliste; so zum Beispiel auch mit „AchtNacht“ im Erscheinungsjahr 2017, das in KW 13, eine Woche nach Erscheinungstermin, ebenfalls an die Spitze der Belletristik Taschenbuch kletterte und sich auf der Liste ganze 49 Wochen wiederfand.

In dem Roman entwirft Fitzek den düsteren Ausgang eines psychologischen Massenexperiments, aus dem die sogenannte AchtNacht entstanden ist – am 8.8. um 08:08 Uhr wird eine Person aus einer Liste von Vorschlägen gezogen, die von nun an für 24 Stunden vogelfrei ist. Inklusive einem Kopf- bzw. Preisgeld in Höhe von zehn Millionen Euro für denjenigen, der sie tötet.

Der Leser folgt verschiedenen Figuren, und es wird außerordentlich spannend beschrieben, wie diese die AchtNacht erleben. Und langsam, aber sicher schleicht sich bei der Lektüre eine Frage ein, die man am Anfang gar nicht vermutet hätte: was bedeutet es eigentlich, immer und überall erreichbar zu sein?

3. Das Nordseegrab

Auch vor historischen Erzählungen macht die Sparte der Kriminalromane nicht halt. „Das Nordseegrab“ von Tilman Spreckelsen spielt im Husum Mitte des 19. Jahrhunderts und hat es bei insgesamt 9 Platzierungen bis Rang 15 geschafft.

Genauer: 1843. Erst ein falscher, dann ein echter Toter veranlassen den jungen Anwalt Theodor Storm – gerade einmal 26 Jahre alt – dazu, sich genauer mit den Begebenheiten in und um Husum zu beschäftigen. Begleitung findet er dabei in dem ebenfalls noch jungen Schreiber Peter Söt. Es geht um Spaltung zwischen Arm und Reich, ein scheinbar vergessenes Schiffsunglück und eben die historische Figur Theodor Storm, dessen eigene Geschichte von Spreckelsen ebenfalls in künstlerischer Freiheit nachgezeichnet wird. Gekonnt verwebt er gründliche Recherche zum damaligen Leben in Husum mit einem spannenden Fall, der den Auftakt der Theodor-Storm-Reihe bildet.

4. Toter geht’s nicht

In Dietrich Fabers „Toter geht’s nicht“ geht es hauptsächlich um seinen Protagonisten, Kriminalhauptkommissar Hennig Bröhmann, und dessen Leben zwischen Mordaufklärung und Familienwahnsinn. Doch da es sich um einen Regionalkrimi handelt, geht es auch um die kulturellen Eigenschaften von Bröhmanns Zuhause, in diesem Fall: Hessen.

Denn der Tote starb als Tod verkleidet auf einem Faschingsumzug im Vogelsberg. Hier verbindet Faber die Grundzüge eines Krimis mit den düsteren Thematiken mittelhessischer Faschingskultur, und das tut er so gekonnt, dass es 2012 für 10 Wochen auf der Bestsellerliste reichte, mit einem Höhepunkt von Platz 22 in der Kategorie Hardcover Belletristik. Und Bröhmanns zweiter Fall, „Tote Hunde beißen nicht“, schaffte es zwei Jahre später sogar bis auf Rang 10 in der Kategorie Paperback Belletristik – ein gelungenes Beispiel für die wachsende Beliebtheit von regionalen Krimis. 

5. Der Professor

Bis auf Platz 10 der Buch Bestseller Hardcover Belletristik schaffte es „Der Professor“ von John Katzenbach. Auf dieser Liste hielt der Thriller sich 13 Wochen lang.

In „Der Professor“ berührt der Autor die Thematiken Demenz, die unfassbaren Abgründe des Internets – bzw. des sogenannten „Darknets“ – und Einsamkeit. Katzenbachs Protagonist Adrian Thomas, ein pensionierter Psychologieprofessor, erhält die Diagnose einer seltenen, sehr schnell voranschreitenden Form von Demenz – kurz bevor er Zeuge einer Entführung eines jugendlichen Mädchens wird. Wird man ihm glauben? Kann Thomas sich überhaupt selbst glauben? Doch das Mädchen, Jennifer, existiert tatsächlich. Sie wird in einem Kellerloch zum Vergnügen von anonymen Zahlenden im Internet festgehalten und gedemütigt. Ist das Interesse an ihr verloren, ist sie es auch. Es beginnt ein Wettrennen gegen die eigene nachlassende Denkfähigkeit des Protagonisten und die ablaufende Uhr des entführten Mädchens, das Katzenbach meisterhaft spannend und emotional erzählt.

Bestseller bestimmen den Buchmarkt?

Wenn ein Buchphänomen auftritt, folgen in den Jahren danach oftmals zahlreiche weitere Publikationen mit ähnlichen Themen. Ein weltweit berühmtes Beispiel ist die „Harry Potter“ Reihe von Joanne K. Rowling, die den Weg für zahlreiche weitere Urban Fantasy Jugendreihen ebnete, die oftmals als sog. „Grenzgänger“ auch von (jungen) Erwachsenen genossen werden. Oder wie die „Twilight“-Romane von Stephanie Meyer rund um die Liebe zwischen Vampirschönling Edward und dem Menschenmädchen Bella, die auf dem Markt ein Feld für zahlreiche weitere kitschige Vampir-Liebesromane freiräumte. Und auf dem Feld der Spannungsliteratur wird auch in (zumindest naher) Zukunft noch stets Platz für weitere herausragende Skandinavien-Krimis sein.

Doch so wie Bestseller die Trends der nächsten Jahre bestimmen, bestimmen die Trends auch die nächsten Bestseller. Es ist zwar beinahe unmöglich, vorauszusagen, welches Buch als nächstes auf Platz eins landen wird. Es ist ein bisschen wie eine Geisterjagd – in dem harten Konkurrenzfeld des Buchmarktes müssen Verlage ein immer feineres Gespür dafür entwickeln, was die nächsten Trends und Buch Bestseller werden könnten, um sich durchsetzen zu können.

Zum Schluss bleibt dabei die Frage, ob eine Platzierung ganz oben auf den Bestsellerlisten das ultimative Ziel für Verlage und Autoren ist – oder sein sollte. Vor allem Buchhandlungen profitieren davon, die aktuellen Bestseller prominent im Laden auszustellen. Das sagen zumindest einige vom Börsenblatt befragten Buchhandlungen. Damit bleibt für die Autoren dann nur noch zu hoffen, dass aus den Bestsellertiteln auch sogenannte Longseller werden, was bedeutet, dass die Bücher sich auch in den folgenden Jahren noch stetig verkaufen.

Eine Alternative zu den Bestsellerlisten bieten übrigens die sogenannten – Achtung, nicht verwechseln! – Bestenlisten. Diese werden von einer Fachjury ausgewählt und nach bestimmten Kriterien bewertet. Wer also nach Empfehlungen von Kennern sucht, der kann hier ja einmal einen Blick wagen.

Die Listen checken lohnt sich

Abschließend kann man also sagen, dass ein regelmäßiger Check der Spiegel Bestsellerlisten sich für alle lohnt, die sich für Bücher interessieren – für Verlage, Autoren und Buchhandlungen, um die neuesten Trends auszuloten, aber vor allem auch für Leser und Bücherliebhaber, um vielleicht das ein oder andere neue Werk zu entdecken, das einem das nächste Lesevergnügen bieten kann. Und ist man von dem „Mainstream“ dann doch zu abgeschreckt, gibt es ja immer noch die Bestenlisten, die vielleicht die ein oder andere Perle bereithalten, die es sich ebenfalls zu entdecken lohnt. 

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