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Bernhard Stäber, Thriller, Autor
Thriller

Bernhard Stäber im Interview mit Topkrimi

Mit seinem dritten Band "Kein guter Ort" entführt Bernhard Stäber den Leser in eine Welt voller menschlicher Abgründe und Mystik. Im exklusiven Interview mit Topkrimi beantwortet der Thriller-Autor unsere Fragen rund um seine Wahlheimat Norwegen und erklärt, warum er diese zum Schauplatz seiner Bücher ausgewählt hat.

Topkrimi: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Bernhard Stäber: Ich habe mir das Lesen aus Neugier selbst beigebracht und schon immer geschrieben, seit ich zurückdenken kann, zuerst per Hand in Schulheften, später auf der Reiseschreibmaschine meiner Eltern. Mein ältester Berufswunsch als Kind war "Bücher schreiben, so wie der Otfried Preußler“.

Topkrimi: Wählen Sie drei Begriffe, die Sie am treffendsten beschreiben?

Bernhard Stäber: Stur. Ehrlich. Hoffnungslos optimistisch.

Topkrimi: Wer ist Ihr Lieblingsautor oder Ihre Lieblingsautorin?

Bernhard Stäber: Die unglaublich vielseitige Elizabeth Hand, die mit ihrer Thrillerserie um die Punkfotografin Cass Neary menschliche Abgründe in einer Tiefe auslotet, bei denen andere Autoren längst nach Luft ringend wieder auftauchen müssen.

Topkrimi: Wie sieht Ihr Schreibritual aus?

Bernhard Stäber: Sie gehen davon aus, ich hätte eines? Es gibt tatsächlich ein kleine rituelle Handlung: Ich zünde immer eine Kerze an, bevor ich mich an mein Manuskript setze. Eine flackernde Flamme ist wie ein Fokus für meine Gedanken.

1. Sie sind 2012 nach Norwegen gezogen - dort wo auch Ihr Thriller spielen: Wie kam es dazu?

Bernhard Stäber: Ich konnte mir immer gut vorstellen, einmal in einem anderen Land als Deutschland zu leben, auch wenn ich das Land und die Sprache sehr mag und immer wieder gerne für Lesetouren und Buchevents hierher komme, oder um meine deutschen Freunde zu besuchen. Als ich meine norwegische Partnerin kennenlernte, hatte ich schon nach einiger Zeit keine Lust mehr, für eine Fernbeziehung Ryanair zu finanzieren. Und da ich ohnehin mit dem Gedanken spielte, mich als hauptberuflicher Autor selbstständig zu machen, machte ich vor fünf Jahren Nägel mit Köpfen.

2. Wie viel von Ihnen steckt in der Figur Arne Eriksen?

Bernhard Stäber: Im Gegensatz zu Arne Eriksen bin ich nicht vor traumatischen Erinnerungen nach Norwegen geflohen. Ich leide nicht an massiven Panikattacken. Aber wie der Psychologe Arne will ich wissen, wie Menschen „ticken“. Und wie er betrachte ich dieses Land durch die Brille von jemandem, der nicht hier aufgewachsen ist. Die norwegische Kultur unterscheidet sich in einigen Dingen schon sehr deutlich von dem, was ich in Deutschland erlebt habe. Aber genau dieses Aufeinandertreffen unterschiedlicher Mentalitäten macht in meinen Augen auch den Reiz von Geschichten aus, die mich persönlich faszinieren. Ich mag es, meine Romanfiguren in ein Umfeld zu werfen, das ihnen fremd ist und an dem sie sich reiben. Spannende Erzählungen entstehen aus dem Aufeinanderprallen von Gegensätzen.

3. Warum haben Sie diese Eindrücke in einem Thriller verarbeitet?

Bernhard Stäber: Ich unterhalte meine Leser gerne mit dem Element von Spannung. Starke Konflikte sind der Motor von Geschichten, die mich faszinieren, und ich fühle mich mit Spannungsliteratur sehr wohl. Darum dachte ich sofort daran, einen Thriller zu schreiben, anstatt zum Beispiel einen Roman über einen Auswanderer oder ein humorvolles Buch über einen Deutschen, der sich in Norwegen zurechtfinden muss.

4. Was macht Norwegen als Land so »krimifähig«?

Bernhard Stäber: Norwegen ist ein Land der Extreme. In meinem aktuellen Thriller „Kein guter Ort“ schreibe ich darüber, wie stark die Eigenheiten einer Gegend die in ihr lebenden Menschen prägen. Ich denke, dass sich die Extreme des norwegischen Klimas, die starken Schwankungen zwischen langer Helligkeit im Sommer und langer Dunkelheit im Winter auch in der Natur der Norweger widerspiegeln. Unter der beherrschten Fassade einer protestantischen Gesellschaft brodeln Extreme. Und Krimis leben von dieser Doppelbödigkeit, von den dreckigen Geheimnissen einer spießbürgerlichen Gesellschaft, davon, dass die Dinge nicht so sind, wie sie auf den ersten Blick den Anschein haben, davon, den Leser hinter den Vorhang zu führen, wo die gesellschaftlichen Fäden gezogen werden.

5. Es scheint so, als fühlen Sie sich in dem Genre wohl - korrigieren Sie uns, falls wir da falsch liegen! - aber »Kein guter Ort« ist mittlerweile Ihr dritter Thriller. was würden Sie sagen, warum lesen Menschen Krimis und Thriller?

Bernhard Stäber: Ja, ich fühle mich in dem Genre sehr wohl. Ich habe zwar bisher unter meinem Autorenpseudonym „Robin Gates“ mehr Romane im Fantastikgenre als Thriller veröffentlicht, aber ich liebe das Krimi - und Thrillergenre. Ich denke, Menschen sind einfach unglaublich neugierig. Wir interessieren uns für das Unbekannte, das uns Fremde, die Schwarzen Löcher der menschlichen Seele. Der Thriller oder Krimi gibt uns die Möglichkeit, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Das gilt im Übrigen für die Fantastik ebenso.

Der neuste Band der Thriller-Reihe: "Kein guter Ort"

Es ist bereits der dritte Fall für den Psychologen Arne Eriksen. Arne ist in die südnorwegische Provinz Telemark gezogen und arbeitet dort als Psychiater an einer Klinik. Durch seine neueste Patientin vertieft er sich in die Geheimnisse eines alten und leerstehenden Hotels in der Rabenschlucht, das vor zehn Jahren Schauplatz einer furchtbaren Familientragödie wurde, welche bis heute nicht aufgeklärt wurde. Arne ist ganz fasziniert von dieser Geschichte und stellt eigene Recherchen an. Kann der Mörder ermittelt werden?

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