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7 bayerische Bräuche, die (unsere) Herzen höher schlagen lassen

Einige bayerische Bräuche sind mittlerweile zweifellos auf der ganzen Welt bekannt. Und die haben einen beeindruckenden Stammbaum. Denn bereits im Jahre 555 n. Chr. soll ein bayerisches Herzogtum existiert haben! Welche 7 bayerischen Bräuche es uns besonders angetan haben, liest Du hier!

1. Die bayerische Tracht

Ganz oben auf der Liste unserer liebsten Traditionen steht die markante bayerische Tracht. Die wird von Einheimischen vor allem gerne zu Volksfesten angezogen. Und das verwundert kaum, denn in einer typischen bayerischen Tracht ist man nicht nur immer passend, sondern auch immer bequem gekleidet. Während der, traditionell vorgesehene, lange Rock die Damen wärmt, bietet die Lederhose den Herren der Schöpfung genug Beinfreiheit. Auch wenn es von Region zu Region kleine, aber feine, Unterschiede bei den Trachten, insbesondere den Verzierungen, gibt, haben sie dennoch vieles gemeinsam. Dazu zählen bei den Damen eine Trachenbluse und Schürze, sowie die Vorgabe, dass ein Dirndl traditionell eigentlich nicht kürzer als knöchellang sei darf. Bei den Herren hingegen wird die Lederhose traditionell begleitet von einem paar Haferlschuhe, einem Hut mit Gamsbart und einem Trachtenmesser, den sogenannten Hirschfänger.

Neben den einzelnen Accessoires, die zu einer typischen Traht gehören, ist auch die Art und Weise, wie die Tracht getragen wird bereits von Bedeutung. So gibt beispielsweise nicht nur die gebundene Schleife an der Trachtenschürze einer Dame Auskunft über ihren Beziehungsstatus. Auch die Männer können ihre Liebe zu ihrer Angebeteten zum Ausdruck bringen. Dies geschieht mit Hilfe des Querriegels, der die beiden Hosenträger der Lederhose über der Brust verbindet. Hier werden bei Verlobung oder Hochzeit die Initialen des Mannes und der Frau eingestickt. Passend dazu werden in Bayern auch heute noch sowohl Dirndl, als auch Lederhose gerne zu Hochzeiten, Taufen oder Geburtstagen getragen. Romantischer geht es also nicht mehr. Und das macht die bayerische Tracht zu einer unserer liebsten bayerischen Bräuche.

2. Der alljährliche Almabtrieb

Spätestens seit Heidi und ihrem Ziegen-Peter hat sich das Bild der frei in Bergen umherstreifenden Ziegen und Kühe als Klischee über Bayern in unsere Köpfe gebrannt. Und dass das keine Übertreibung ist, zeigt vor allem der am Ende des Sommers stattfindende Almabtrieb. Dabei werden die auf den Almen und Weiden in den Bergen grasenden Kuhherden zusammen- und teils über Wasser, teils über enge Bergwege wieder hinab ins Tal getrieben. Der Begriff Viehscheid, der den selben Vorgang bezeichnet, hat sich in bestimmten Regionen durchgesetzt und bezeichnet das Trennen der Kühe bei Ankunft im Dorf. Dann nämlich wird jede Kuh ihrem eigentlichen Besitzer zurückgegeben. Für einen Almabtrieb der besonderen Art, lohnt sich ein Besuch in Schönau am Königssee.

Hier werden die Kühe nicht nur bergab, sondern auch noch übers Wasser getrieben. Dafür bringen die Bauern ihre Kühe von der Salet- und Fischunkelalm hinab ins Tal und treiben sie am Ufer des Königssees auf motorisierte Transportboote. Erst wenn die sogenannten Wasserkühe wieder festen Boden unter den Hufen haben, beginnen die Bauern das traditionelle schmücken ihrer Kühe. Dazu zählt unter anderem die Fuikl, ein traditioneller Kronen-Blumenschmuck, der von den Bauern eigenhändig aus Fichten- und Tannenästen gebastelt und mit Holzspanröschen verziert wird. Manche Bauern arbeiten bis zu 60 Stunden an einem Kopfschmuck! Wenn du dem besonderen Spektakel eines Almabtriebs am Königssee beiwohnen möchtest, lohnt sich ein Besuch der Region Anfang Oktober.

3. Das bayerische Bier

Es gilt als unvergleichbar und unerreicht, einzigartig im Geschmack und stets von höchster Qualität - das sagen zumindest die Bayern selbst über ihr Bier. Und während es stimmt, dass die Bayern eine ganz eigene Verbindung zum Bier und Bierbrauen haben, so gibt es doch nicht das eine bayerische Bier. Das lässt sich bereits daran erkennen, dass die Hälfte aller deutschen Brauereien ihren Sitz in Bayern haben. Zu den bekanntesten Biersorten zählen dabei das Augustiner, auch ‘Gustl genannt, das Paulaner Bier und das sogenannte Tegernseer, das aus der Region rund um den Tegernsee stammt. Besonders stolz sind die Bayern auf ihr bayerisches Reinheitsgebot, das bereits im Jahre 1516 in Kraft getreten ist. Hier wird festgelegt, dass Bier nur aus drei Zutaten gebraut werden darf, nämlich Wasser, Hopfen und Gerste. Und daran halten sich die bayerischen Braumeister auch heute noch.

Zwar gibt es nicht das typische bayerische Bier, dennoch hat das Bierbrauen und -genießen eine lange Tradition in den bayerischen Gefilden. So gehört der Brauch des Starkbierbrauens und -ausschenkens zu einem der ältesten. Ursprung ist das Fastengebot, dem die Mönche auch im 16. Jahrhundert unterlagen. Um etwas nahrhafteres als nur Wasser oder das damals übliche schwache Bier zu sich zu nehmen, begannen sie das sogenannte Bock- oder Starkbier zu brauen. Deswegen wird auch heute noch das Starkbierfest zur Fastenzeit gefeiert, was sich als bester Zeitpunkt für einen kleinen Ferienausflug nach Bayern empfiehlt, wenn Du diese Tradition einmal miterleben möchtest.

Für noch mehr typische bayerische Bräuche und unsere passende Alpenkrimi-Empfehlung lies Dir unsere Liste bis zu Ende durch!

4. Die bayerischen Volksfeste

 Sie sind nicht nur eine der schönsten bayerischen Traditionen, sondern bringen auch noch ein paar andere bayerische Bräuche mit sich. Die Rede ist von bayerischen Volksfesten! Das weltweit bekannteste bayerische Volksfest ist dabei zweifellos das Münchener Oktoberfest, auch bekannt als Wies'n. Jedes Jahr wird es Ende September für 3 Wochenende feucht fröhlich und laut in München, insbesondere auf der Theresienwiese. Das bekannte Fest wurde ursprünglich zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahre 1810 gefeiert. Bereits ein Jahr später wurde das ursprünglich für adlige Gäste geplante Fest zu einem öffentlichen (Bier-)Fest umkonzipiert. Gab es zunächst nur das Pferderennen zu bewundern, wurde diese Attraktion bald von Bowlingbahnen, Schaukeln und einer Losbude begleitet. Die Basis für das Oktoberfest, wie wir es heute kennen, war gelegt.

Doch Bayern hat nicht nur das Oktoberfest zu bieten, auf dem in Tracht und mit Bier ordentlich gefeiert wird. Es gibt eine Vielzahl von regionalen Volksfesten, von Weinfesten in Franken oder Bierfesten in Ober- und Niederbayern. Neben den lokalen kulinarischen Spezialitäten, gibt es hier für den Besucher auch die typische regionale Tracht zu bewundern, begleitet von weiteren bayerischen Bräuchen wie das Schuhplatteln etwa. Für ein ganz besonderes Flair an bayerischen Bräuchen und gemütlichem Volksfest sorgt das Tegernseer Seefest. Hier genießt der Besucher regional typischen Steckerlfisch mit einem Tegernseer Hellem und einem Blick auf die bayerischen Alpen und den Tegernsee. Krönender Abschluss ist das viel gefeierte Feuerwerk am Ende des Seefestes und damit auf jeden Fall einen Besuch, wenn nicht einen Urlaub wert.

5. Die Maibaum Tradition

Zwar gibt es mittlerweile in vielen deutschen Bundesländern die Tradition eines Maibaumes, dennoch haben die Bayern auch hier ihren ganz eigenen Brauch entwickelt, bei dem es sowohl um Wettbewerb, als auch um Bier geht. Denn zunächst einmal heißt es, den passenden Baum zu finden und mehrere Wochen vor dem Aufstellen zu schlagen. Das führte dazu, dass Burschenschaften benachbarter Dörfer und Städte anfingen, sich gegenseitig ihre geschlagenen Maibäume zu stehlen. Dass eine erfolgreiche Rückgabeverhandlung eines solchen Baumes immer auch eine gewisse Menge flüssiges Gold, also Bier, beinhaltet, ist dabei selbstverständlich.

Nach dem Trocknen erfolgt das Schmücken des Maibaumes. Auch hier gibt es seit Jahrzehnten und teilweise Jahrhunderten andauernde Wettstreits, wer den höchsten und/oder prachtvoll geschmücktesten Maibaum aufstellt. Während in manchen Orten der Baum mit Rinde aufgestellt wird, wird er in anderen geschält und blau-weiß angestrichen. Ein korrekt geschnürter, als gestrichener Maibuam, hat dabei die Spirale von links unten nach rechts oben. Zusätzlich wird der Maibaum mit Bändern, Blumenkränzen und geschnitzten Holzfiguren verziert. Das Aufstellen erfolgt dabei traditionell bei Hand. Eben jene Burschen, die zuvor noch über die Rückgabe eines Maibuames verhandelt haben, ziehen und stemmen nun den geschmückten Baum in eine aufrechte Position.

6. Der Leonhardiritt

Es gibt eine ganze Reihe von Traditionen in den südlichen Bundesländern Deutschlands, die klar auf einen christlichen Hintergrund zurückzuführen sind. Insbesondere Bayern gilt auch heute noch als eines der Bundesländer, die einen starken christlichen Glauben bzw. eine enge Verbundenheit zur christlichen Kirche aufweisen. Da wundert es kaum, dass auch heute noch altes Brauchtum zu Ehren eines jeweiligen Heiligen fortgeführt wird. Einer dieser Heiligen ist, zumindest in Bayern, der Schutzpatron des Viehs: Der heilige Leonhard von Limoges. Wer sich ein wenig mit Kirchengeschichte auskennt, weiß, das der heilige Leonhard eigentlich der Sprenger der Ketten ist. Sprich: Er befreit zu unrecht in Gefangenschaft geratene, indem er ihre Ketten sprengt.

Die Bayern nun haben kurzer diese Fähigkeit auf alle Lebewesen, die in Ketten liegen, umgemünzt. So eben auch auf ihre Kühe, Schafe, Pferde und was sonst noch so auf den Wiesen und Weiden gezüchtet wird. Und weil der heilige Leonhard offensichtlich einen ziemlich guten Job macht, wird ihm traditionell am 6. November für seinen Schutz der Tiere gedankt. Das geschieht beim sogenannten Leonhardiritt, der sich heutzutage vor allem auf die hart arbeitenden (Brauerei-) Pferde bezieht. Hierfür schmücken die Bauern die Mähnen ihrer Pferde, ziehen selbst ihre beste Tracht an und reiten in Reih und Glied durch den Ort zur örtlichen Kirche. Dort werden die Pferde und anderes Vieh vom Pfarrer zu Ehren des heiligen Leonhard gesegnet, auf dass sie ein weiteres Jahr unter seinem Schutz stehen. Ein besonderes Erlebnis ist dabei die Leonhardifahrt bzw. der Leonhardiritt in Bad Tölz in Oberbayern. Der Ritt geht dabei auf das 17. Jahrhundert zurück und wird seit 1855 jährlich durchgeführt. Über 80 Vierergespanne und bis 25.000 Besucher verzeichnet der am 6. November stattfindende Umzug. Zum großen Erfolg trägt dabei die geforderte Authentizität der Umzugsteilnehmer bei. So müssen die Fuhrwagen beispielsweise auf Holzrädern mit Metallbeschlägen laufen, Reifen aus Gummi sind nicht zugelassen.

7. Der bayerische Fasching

Dass der Fasching etwas mit bayerischer Tradition und Brauchtum zu tun hat, scheint zunächst schwer zu glauben. Schließlich ist es doch der Ruhrpott oder Städte wie Düsseldorf, Mainz oder Köln, die den Fasching erst zum Fasching machen! Kölle a’laaf! Dabei hat der Fasching im bayerischen Brauchtum wesentlich mehr zu bieten, als billige Plastikhüte und knappe Kostümchen aus dem Supermarkt. Insbesondere die Zugspitz-Region, die sich von Garmisch-Partenkrichen bis Murnau am Staffelsee und von Mittenwald bis Oberammergau erstreckt, lebt den alten Faschingsbrauch noch aktiv. Dazu zählt unter anderem der Umzug der sogenannten Maschkera am 6. Januar.

Den Maschkera ist eine der wichtigsten Aufgaben des Jahres zu eigen: Sie sollen die dunklen Geister und Schatten des Winters aus den Dörfern und Städten vertreiben, damit der Frühling sich heraustraut. Dafür ziehen sich die Maschkera eigens aus Holz angefertigte Masken, üblicherweise Larven genannt, über. Diese Masken sind stolzer Familienbesitz und werden seit Jahrzehnten, teilweise sogar seit Jahrhunderten, in den Familien von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Neben den Masken und der ihrer Tracht, schmücken sich die Maschkera mit einer Vielzahl von kleinen und großen Glöckchen. Der Lärm der Glöckchen beim Umzug durch das Dorf soll auch den letzten Geist aus dem dunkelsten Winkel aus dem Ort heraustreiben. Über mehrer Tage hinweg, bis zum Faschingsdienstag, treiben die Maschkera ihr ‘Unwesen’ in den Dörfern, trinken in den Gasthäusern und treiben auch immer wieder ein klein wenig Schabernack. Damit hinterher keiner weiß, wer es genau war, verstellen die Maskenträger gekonnt ihre Stimme und verstecken ihre Hände in Handschuhen. Während der gesamten Faschingszeit können die Maschkera in der Zugspitz-Region bewundert werden und lohnen sich daher perfekt für einen Kurztripp.

In dem Krimi-Bestseller „Wolfsschlucht“ von Andreas Föhr spielen bayrische Traditionen eine wichtige Rolle. Ende April ereignen sich am Tegernsee gleich zwei mysteriöse Fälle, die Kommissar Clemens Wallner lösen soll: Ein Bestattungsunternehmer versinkt mitsamt seinem Leichenwagen im bayrischen Fluss Mangfall, gleichzeitig verschwindet eine junge Frau spurlos. Kurz darauf wird der Wagen der jungen Frau im Gebirge gefunden- aufgespießt von einem Maibaum! Die Ermittlungen ergeben, dass beide Fälle auf seltsame Weise zusammenhängen. Wallners anarcho-bayrischer Kollege Leonhardt Kreuthner hat seine Finger im Spiel- sein Plan für den Maibaumklau scheint ihm diesmal aus dem Ruder gelaufen zu sein…

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